Zwischen Erlebnistourismus, Kultur und Traditionen gewinnt die Rolle des Reiseleiters bei der Vermarktung regionaler Gebiete zunehmend an Bedeutung. Davon ist Durdica Bacciu überzeugt, Archäologin und Reiseleiterin, die vorwiegend im Norden Sardiniens, insbesondere in den Regionen Olbia und Gallura, tätig ist. Sie sprach auf einer Konferenz in Arzachena, die sich dem Tourismussektor und der Entwicklung des modernen Tourismus widmete.

„Der Tourismus befindet sich heute im rasanten Wandel“, erklärt er. „Die Bedürfnisse, Reisestile und sogar die Erwartungen der Touristen verändern sich. Deshalb müssen Reiseleiter zuhören, verstehen und die Menschen auf immer authentischere Weise begleiten können.“ Laut Bacciu reicht es nicht mehr aus, einfach nur Meer und Entspannung anzubieten: Besucher suchen nach Abenteuer, Geschichten und direktem Kontakt mit der lokalen Kultur.

In den letzten Jahren erfreuen sich Slow Tourism sowie Kulinarik- und Weintourismus immer größerer Beliebtheit. „Urlaub bedeutet nicht nur Schlafen und Essen“, erklärt sie, „sondern auch, etwas über die Entstehung eines Produkts zu erfahren, die Milchverarbeitung, die Herstellung von Wurstwaren oder das Leben auf dem Land kennenzulernen.“ Solche Erlebnisse verwandeln Reisen in Momente der Entdeckung und des gemeinsamen Erlebens. Für die Archäologin sind Reiseführer „die Visitenkarte eines Ortes“. Dieses Bild verdeutlicht die Verantwortung derjenigen, die Besucher bei der Erkundung der Region begleiten. „Ein Reiseführer muss die Geschichte, die Traditionen, die Gastronomie und alles, was einen Ort einzigartig macht, kennen. Nur so kann er seine Seele vermitteln.“

In der Gallura existieren zwei Arten von Tourismus nebeneinander: Badetourismus und Kulturtourismus. Erstere suchen Entspannung, Serviceleistungen und den Reiz der Strände; letztere hingegen möchten die Geschichte und Identität der Orte verstehen. „Der Kulturtourist möchte die Bedeutung einer traditionellen Tracht, einer Nuraghe oder eines typischen Desserts kennenlernen“, erklärt Durdica Bacciu.

Unter ausländischen Besuchern sind es vor allem Nicht-Europäer, die sich am meisten für Sardinien und die Nuraghenkultur interessieren. „Unsere Nuraghen üben seit jeher eine große Faszination auf uns aus. Viele fragen sich, wer diese alten sardischen Seefahrer waren, die das Mittelmeer durchquerten.“ Zu den kuriosesten Geschichten, die die Reiseleiterin erzählt, gehört die eines jungen französischen Touristen, der sie vor Jahren fragte, ob es auf Sardinien gepflasterte Straßen gäbe. Als sie schließlich über die berühmten Sehenswürdigkeiten der Gallura spricht, ist die Archäologin und Reiseleiterin Bacciu überzeugt: „Luogosanto mit seinen Granitfelsen und der Kirche San Trano ist für mich einfach magisch!“

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