Wenige Tage nach der Geburt bleibt Francesca Sanna nicht zu Hause, um die Babyausstattung vorzubereiten, sondern öffnet die Tür zu ihrer Praxis. Sie schlüpft in ihre Arbeitskleidung, setzt sich an ihren Schreibtisch und beginnt mit den Untersuchungen. Sie tut dies, weil es niemanden gibt, der sie vertreten kann. Die Ausschreibung für eine Nachfolge ist unbeantwortet geblieben, und ein Abbruch der Suche würde bedeuten, dass 1.700 Patientinnen und Patienten ohne Hausarzt dastehen.

Francesca Sanna ist Allgemeinärztin und eine von 65 Fachkräften in der Region Oristano. Seit sieben Jahren arbeitet sie im Distrikt 1.4, einem der größten der Provinz, der sich von der Ebene bis ins Landesinnere erstreckt und unter anderem Samugheo umfasst. Zum Distrikt gehören die Orte Allai, Ollastra, Samugheo, Siamaggiore, Siamanna, Siapiccia, Simaxis, Solarussa, Villanova Truschedu, Villaurbana und Zerfaliu – ein weitläufiges und zersplittertes Gebiet, in dem der Hausarzt oft der einzige verlässliche Ansprechpartner für die Gesundheitsversorgung ist.

Francesca und drei weitere Kolleginnen arbeiten in einer Gemeinschaftspraxis, die die Kliniken in Solarussa, Zerfaliu und Siamaggiore betreibt. „Ich habe mich entschieden, während meiner Risikoschwangerschaft nicht zu gehen, um die Stelle nicht unbesetzt zu lassen“, sagt sie. „Zwei Wochen vor meinem errechneten Geburtstermin war die Ärztin, die mich vertreten sollte, jedoch nicht verfügbar: Ares hatte die Stelle ausgeschrieben, aber sie blieb unbesetzt.“

Mit bitterer Ironie fügt sie hinzu: „Ich habe meine Kollegen schon gewarnt, dass sie sich auf die Geburt meines Kindes vorbereiten sollen.“ Dann wird ihr Ton ernst. „Bald könnten meine Patienten ohne Hausarzt dastehen. Meine Kollegen sind bereits am Limit und können keine weiteren Patienten mehr aufnehmen. Man kann sich nicht einmal mehr krankmelden.“

Diese Geschichte verdeutlicht die Krise im kommunalen Gesundheitswesen der Provinz Oristano, das heute vor allem durch das individuelle Engagement derjenigen aufrechterhalten wird, die weiterhin engagiert bleiben, selbst wenn das System die grundlegenden Bedingungen nicht mehr gewährleisten kann.

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