Ein Beamter der Stadt Benevento wurde von den Carabinieri auf frischer Tat ertappt, als er ein Bestechungsgeld in Höhe von viertausend Euro einsteckte. Auslöser der Operation war die Anzeige eines selbstständigen Freiberuflers, des Direktors eines örtlichen Designbüros. Daraufhin verhafteten die Carabinieri den 63-jährigen Gennaro Santamaria , Stabschef von Bürgermeister Clemente Mastella.

Laut Aussage des Experten missbrauchte der Beamte seine hohe Stellung und forderte unberechtigterweise eine hohe Geldsumme für die Freigabe von Verwaltungsverfahren und Baugenehmigungen. Die Anfragen des Opfers wurden im Rahmen der Ermittlungen ungewöhnlich verzögert – durch bürokratische Hürden und fadenscheinige Forderungen nach zusätzlichen Unterlagen –, „um einen Zustand der Unterdrückung und wirtschaftlichen Erstickung herbeizuführen“. Diese Eskalation gipfelte in der konkreten Forderung nach 70.000 €, um das Verfahren wieder in Gang zu bringen.

Die Carabinieri schritten unmittelbar nach der Übergabe einer ersten Tranche von viertausend Euro in bar ein (das Geld war zuvor von der Kriminalpolizei sichergestellt und dem Verdächtigen zurückgegeben worden). Bei der anschließenden Durchsuchung der Wohnung des Verdächtigen beschlagnahmten die Carabinieri des Provinzkommandos Benevento neben mehreren wertvollen Uhren (im Wert von schätzungsweise 100.000 Euro) ein regelrechtes Bargeldarchiv : 157.400 Euro in Banknoten (hauptsächlich 50- und 100-Euro-Scheine), chirurgisch präzise in Bündel zu je 5.000 Euro aufgeteilt. Jedes Bündel steckte in einem Papierumschlag, auf dem der Betrag handschriftlich vermerkt war.

„Dieses Ermittlungsergebnis“, kommentierte Staatsanwalt D’Angelo, „beweist eindeutig, dass die Durchsetzung von Recht und Ordnung nicht allein der repressiven Tätigkeit der Staatsanwaltschaft oder der Strafverfolgungsbehörden überlassen werden kann. Das wahre und unüberwindliche Hindernis gegen jede Form von Missbrauch, Erpressung oder unzulässiger Einflussnahme liegt im Rechtsbewusstsein der Bürger und ihrer Entschlossenheit, sich nicht der Logik der Korruption zu beugen. Die Entdeckung solch hoher und – derzeit – ungerechtfertigter Geldsummen unterstreicht die Dringlichkeit eines gemeinsamen Vorgehens gegen alle Formen von Missbrauch. Aus diesem Grund appelliert die Staatsanwaltschaft Benevento eindringlich an alle Bürger, Freiberufler und Unternehmer, nicht zu schweigen, sondern jeden Fall von Erpressung, Nötigung oder sonstiger unzulässiger Einflussnahme, von der sie betroffen oder Zeuge geworden sind, unverzüglich zu melden. Sie können sich vertrauensvoll an die staatlichen Institutionen wenden.“

Auch die oppositionellen Stadträte von Benevento, Luigi Diego Perifano, Floriana Fioretti, Raffaele De Longis, Giovanni De Lorenzo, Maria Letizia Varricchio, Francesco Farese, Giovanna Megna, Angelo Miceli, Vincenzo Sguera und Angelo Moretti, äußerten sich zu dem Fall. „Wir sind zutiefst besorgt und bestürzt über die Festnahme des Kabinettschefs und Stadtverwalters Gennaro Santamaria auf frischer Tat. Wir unterstützen ein ordnungsgemäßes Verfahren und erwarten Gerechtigkeit, doch der Bericht der Ermittlungsbehörden ist alarmierend. Angesichts der objektiv schwerwiegenden Vorwürfe fordern wir den Bürgermeister und die Stadtverwaltung daher auf, klar und unmissverständlich zu dem Vorfall Stellung zu beziehen. Leider müssen wir daran erinnern, dass wir uns über Jahre hinweg wiederholt auf politischer und administrativer Ebene über die Machtkonzentration in Santamarias Händen beschwert haben. Wohlgemerkt, es handelt sich um einen externen Manager, der nicht in einem öffentlichen Auswahlverfahren, sondern durch eine Treuhandernennung des Bürgermeisters ausgewählt wurde“, fügen die Stadträte hinzu.

(Unioneonline)

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