Fast ein Jahrhundert lang konnten wir den Krieg vergessen oder ihn zumindest als etwas betrachten, das uns eher auf ethischer als auf praktischer Ebene beunruhigte. Fast ein Jahrhundert lang glaubten wir, Diktaturen seien eine Warnung aus Schulbüchern oder Gespenster ferner Welten. Und doch befinden wir uns heute hier, in einer Welt, die brennt und erneut von imperialer Logik beherrscht wird.

Seit einiger Zeit scheint die Geschichte die Zeit zurückzudrehen und Szenarien wieder aufzugreifen, die wir längst vergessen glaubten. Auf unseren Computer- und Fernsehbildschirmen sehen wir täglich Bilder des Krieges und hören Worte, die Hass und rassistische Gewalt schüren – gesprochen mit einer Nonchalance und Schamlosigkeit, die Empörung hervorrufen sollte, aber beinahe mit Gleichgültigkeit hingenommen wird, als sei es das Normale. Wie selbstverständlich erscheint im politischen Bereich die Rückkehr von Autokratien, imperialer und imperialistischer Logiken, die auf Unterdrückung als konkreter Machtausübung beruhen. Dies erleben wir gerade, und wir können es nur leugnen, indem wir den Kopf in den Sand stecken. Wir verschließen die Augen vor der Realität, die Vorstellung einer Welt, die von wenigen mächtigen Akteuren beherrscht wird, die untereinander paktieren, um Macht auszuüben und über das Schicksal aller anderen zu entscheiden, gewinnt immer mehr an Popularität. Kurz gesagt: Einige wenige Mächte, angeführt von einem Autokraten, teilen die Welt in Einflusssphären auf.

La copertina del libro

Welche Rolle spielen in diesem Szenario diejenigen, die noch an die Demokratie glauben? Vittorio Emanuele Parsi erläutert dies in seinem neuesten Essay mit dem treffenden Titel „ Contro gli imperi“ (Bompiani, 2016, S. 208, auch als E-Book erhältlich) und zeigt mit gleicher Deutlichkeit die Konsequenzen auf, denen wir uns gegenübersehen werden, wenn wir nicht reagieren: Knechtschaft.

Doch die eigentliche Frage lautet: Wollen wir wirklich die Grundfesten unserer politischen und sozialen Gemeinschaft kampflos aufgeben? Wollen wir wirklich wieder glauben, Autoritarismus und Gewalt seien das kleinere Übel, wo sie doch aktiv zum Chaos beitragen, das uns umgibt? Fragen wie diese müssen wir beantworten, ohne uns hinter der Illusion zu verstecken, alles werde von selbst vorübergehen. Im Gegenteil, es ist an der Zeit, gegen jene Kräfte vorzugehen, die der Demokratie und unseren Werten – den Werten der Gleichheit, der Rechte, der Gerechtigkeit und der Brüderlichkeit, die der Mehrheit von uns gehören, dessen sind wir uns ganz sicher – entgegenwirken. Wir müssen handeln, wohl wissend, dass der Kampf hart ist und Engagement, Opferbereitschaft und Einigkeit aller (wirklich aller!) Menschen guten Willens erfordert. Wir müssen handeln, wohl wissend, dass der Weg steinig ist, aber dass die Alternative, die uns aufgezwungen wird, unvergleichlich schlimmer ist. Kurz gesagt: Es steht viel auf dem Spiel, und unsere Zukunft ist gefährdet. Eine Zukunft, die Mut, Ehrlichkeit und die Fähigkeit erfordert, einen schwierigen Weg zu beschreiten: den Weg des Friedens, aber nicht der Feigheit.

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