Vor Jahren beschrieb Papst Franziskus die Zeit, in der wir leben, als geprägt von einem „stückweisen dritten Weltkrieg“. Eine Reihe mehr oder weniger lokaler Konflikte, die aufflammen und sich ausbreiten, ohne dass ein Ende der Kämpfe erkennbar ist. Allmählich wachsen die einzelnen Teile dieses großen globalen Konflikts zusammen, und die Gefahr, dass sie sich zu einem grenzenlosen, globalen Krieg vereinen, nimmt stetig zu.

Natürlich – und zu Recht – werden wir in diesem schleichenden Dritten Weltkrieg vor allem von Bildern der Zerstörung, des Todes und der Verzweiflung erschüttert. Laut vielen Analysten findet jedoch neben den traditionellen Konflikten mit Bomben und Artilleriefeuer auch ein subtiler Machtkampf statt, der Desinformation und modernste Internettechnologien nutzt, um die Überzeugungen und Gewissheiten der Bevölkerung zu beeinflussen. Es handelt sich um einen hybriden Krieg, hochmodern in seinen Mitteln, aber zutiefst uralt in seinen Absichten. Er zielt darauf ab, den Willen des Gegners zu neutralisieren und wird von Agenten des Chaos, Web-TV, Websites, verdeckten Operationen, Priestern, die Hass schüren, und eigens dafür rekrutierten Hackern geführt.

Diese Akteure stehen im Fokus von Jessikka Aros Essay „Putins geheimer Krieg“ (Neri Pozza Editore, 2026, 22,00 €, 368 Seiten. Auch als E-Book erhältlich. Übersetzung: Nicola Rainò und Marcello Ganassini). Der Essay beleuchtet die Lügenmaschinerie der russischen Regierung zur Destabilisierung des Westens. Hybride Kriegsführung ist natürlich kein Alleinstellungsmerkmal des Kremls; alle Mächte nutzen sie, um ihre Gegner in Verlegenheit zu bringen.

Aro beleuchtet somit nur eine Seite der Medaille, doch sie tut dies meisterhaft, und die Voreingenommenheit ihrer Recherchen schmälert nicht den Wert ihrer Berichterstattung. Dies belegen auch die zahlreichen Angriffe und Drohungen, denen die finnische Journalistin im Laufe ihrer über zehnjährigen Karriere als investigative Journalistin ausgesetzt war. Aufgrund ihrer Recherchen zu prorussischen Internet-Trollen und deren Einfluss auf öffentliche Debatten außerhalb Russlands geriet Aro ins Visier einer internationalen Propaganda- und Hasskampagne. Sie musste Finnland sogar jahrelang verlassen, da ihr Aufenthalt in ihrer Heimat als unsicher eingestuft wurde.

La copertina del libro (foto concessa)

Beim Lesen von „Putins geheimer Krieg“ wird die russische Abneigung gegen Aro schnell verständlich. Das Buch rekonstruiert zunächst eine düstere Geschichte aus dem Jahr 2010, an die sich in Italien wohl nur noch wenige erinnern. Am 10. April, vor fast sechzehn Jahren, brachte Flug 101 der polnischen Luftwaffe, eine Tupolew Tu-154M, den polnischen Präsidenten Lech Kaczyński, seine Frau Maria Kaczyńska sowie hochrangige Persönlichkeiten aus Politik und Militär von Warschau zur Gedenkveranstaltung für das Massaker von Katyn, das die Rote Armee im Zweiten Weltkrieg an Polen verübte.

Das Flugzeug stürzte beim Anflug auf den Luftwaffenstützpunkt Smolensk in Russland ab, wobei alle Insassen ums Leben kamen. Offiziell heißt es, es habe sich um menschliches Versagen gehandelt. Laut Jessikka Aro ist jedoch eine alternative Interpretation des Vorfalls möglich, die ihn in den breiteren Kontext der sogenannten hybriden Operationen Russlands gegen westliche Länder stellt. Diese kombinieren Cyber- und Medienkriegsführung mit paramilitärischen Aktionen, verdeckten Militäroperationen, Falschmeldungen und gezielter Propaganda – ohne Wissen der Weltöffentlichkeit. Diese Interpretation basiert auf einer Prämisse, die wir nur allzu oft nicht verstehen.

Russland ist ein Land mit einer jahrhundertealten imperialen Tradition, einer Tradition, die nach allgemeiner Überzeugung mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1989 zwangsläufig hätte enden müssen. Tatsächlich liegen jedoch erst gut 35 Jahre seit 1989 zurück, und ein solcher Zeitraum ist in der Geschichte eines so großen Landes verschwindend gering. Dies gilt insbesondere, wenn man bedenkt, dass die russische politische Tradition der Idee der Demokratie als „Regierung der Vielen“, in der auch Oppositionsparteien ihre Forderungen äußern können, fremd ist. Die russische Geschichte ist vielmehr geprägt von der Vision starker Macht, vom „einen Mann an der Macht“, der die Zügel in der Hand hält und ein Land von monströser Größe und höchst heterogener innerer Struktur zusammenhält.

Dies erlebte das russische Volk über Jahrhunderte hinweg, sowohl in der Zarenzeit als auch in der darauffolgenden Sowjetära. Daher gab es nie eine ausreichende Gelegenheit für demokratische Prinzipien, sich in der Bevölkerung zu etablieren und Fuß zu fassen – ein Prozess, der auch kulturell beträchtliche Zeit benötigt.

Es ist kein Zufall, dass die Machthaber die Erben jener sind, die in der Sowjetzeit Macht innehatten. Wladimir Putin war Mitglied des KGB, des heutigen FSB, des sowjetischen und nun russischen Sicherheitsdienstes. Das sollten wir uns stets vor Augen halten, wenn wir über Russland und seine Machthaber nachdenken. Wir dürfen dies nicht vergessen, wenn wir unsere Verhaltenskategorien und politischen Normen allzu simplistisch auf eine so ferne Institution wie den Kreml anwenden.

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