Ohne evangelikale Frömmigkeit
Giulio Busi rekonstruiert in seinem neuesten Buch die tragische Geschichte von Giordano Bruno.Per restare aggiornato entra nel nostro canale Whatsapp
„Einen Menschen zu töten, heißt nicht, eine Lehre zu verteidigen, es heißt, einen Menschen zu töten.“ Dieser Satz, den der französische Humanist und Theologe Sébastien Castellion nach der Verbrennung von Michael Servetus auf Calvins Geheiß aussprach, hätte ebenso gut für Giordano Bruno geschrieben worden sein können. Der Schriftsteller, Philosoph und Denker Bruno wurde 1600 in Rom lebendig verbrannt, weil seine Ideen nicht mit denen der katholischen Kirche übereinstimmten, die damals gerade aus dem Konzil von Trient hervorgegangen war und entschlossen war, die Orthodoxie – ob real oder vermeintlich – gegen die Angriffe des Protestantismus zu verteidigen. Die Verurteilung des in Nola geborenen Philosophen erfolgte, nicht zufällig, inmitten eines von Religionskriegen verwüsteten Europas, das sich auf das erste große kontinentale Massaker, den Dreißigjährigen Krieg (1618–1648), vorbereitete. Es war ein Europa, in dem nur Schwarz und Weiß existierten und in dem die Kirche allzu oft eher das Gesicht einer rachsüchtigen Stiefmutter als das einer Mutter zeigte.
Bruno unternahm seine ersten Schritte in diesem politischen, kulturellen und religiösen Klima, wie Giulio Busi in seinem Buch „Giordano Bruno. Many Stars Don't Die“ (Mondadori, 2026, 156 Seiten, auch als E-Book erhältlich) schildert. Und er tat sie, wie Busi treffend beschreibt, ohne zu ahnen, dass die Zeit für offene philosophische Betrachtungen, für Debatten, in denen Weltlichkeit und Spiritualität Hand in Hand gehen konnten, vorbei war. Die lebendige, intellektuell anregende und inspirierende Ära der Renaissance war vorbei, doch Bruno blieb ein Humanist im Geiste der Renaissance. Er glaubte an den Menschen, der sein eigenes Schicksal gestalten kann und mit einer Vernunft ausgestattet ist, die ihn antrieb, die Welt und das Universum ohne Grenzen zu erforschen. Er sah Wissen als etwas Unendliches, das auf den Menschen wartete, der es zu erschließen fähig war. Bruno fühlte sich selbst als einen solchen Menschen, wie Busi treffend beschreibt.
Und er war ein Mann, der von seinen intellektuellen Fähigkeiten absolut überzeugt war – Fähigkeiten, auf die er für seinen gesellschaftlichen Aufstieg setzte. Als Sohn eines Soldaten aus der Provinz Kampanien träumte er davon, Professor an einer angesehenen Universität zu werden, oder noch besser, ein Hofbeamter, ein Ritter. Er glaubte, die nötigen Eigenschaften zu besitzen: einen edlen Geist, ein ausgeprägtes Gespür für Anstand. Und als Soldat, so lässt uns Busi erkennen, besaß Bruno die Offenheit, den intellektuellen und physischen Mut, die Fähigkeit, an vorderster Front unter feindlichem Beschuss auszuharren. Diesem feindlichen Feuer konnte der Philosoph aus Nola kaum entgehen, denn er hatte ein aufbrausendes Temperament und ein ebenso hohes Selbstbild wie seine oft geringe Meinung von Theologen, Akademikern und ihresgleichen. Viele hielten Bruno für unverbesserliche Narren, und viele verziehen ihm seine Meinungsfreiheit nicht.
Auch deshalb fiel es Bruno schwer, einflussreiche Freunde zu behalten, jene, die ihm hätten helfen können, als er 1593 in Venedig verhaftet und anschließend nach Rom ausgeliefert wurde, wo ihm ein Prozess bevorstand, der bis 1600 dauerte. Sieben Jahre führten zu einer theologischen Verurteilung, die in jeder Hinsicht jeder evangelischen Lehre widersprach – ein Ergebnis der Schwäche einer verängstigten Kirche, die sich vom Trauma der Reformation noch nicht erholt hatte und, wie jede fragile Autorität, von Paranoia zerfressen war. Bruno begegnete dem Urteil mit der Standhaftigkeit eines Soldaten, der nicht zurückweicht. Er wollte weder ein Held noch ein Märtyrer für freies Denken sein. Er wollte als Mensch sterben, nicht als Geist weiterleben, nachdem er sich selbst verleugnet hatte. Um Sébastien Castellion erneut zu zitieren: „Man beweist seinen Glauben nicht, indem man einen Menschen verbrennt, sondern indem man für ihn verbrannt wird.“ So weit ging Bruno, und Giulio Busi schildert sein Ende ohne Umschweife, so wie er auch sein Leben ohne Umschweife geschildert hat. Aus dem Buch erwächst der Mensch selbst, seine Gedanken, seine Exzesse, seine Tugenden, aber auch seine Laster, an denen es Bruno wahrlich nicht mangelte. Die Legende wird später entstehen, sobald die Flammen auf dem Campo dei Fiori erloschen sind, aber das ist eine ganz andere Geschichte.
