Musik im Gehirn: Ein Essay über Neurowissenschaft und Melodien
In dem von Laura Ferreri und Carlotta Lega gemeinsam verfassten Buch geht es um das Gehirn, das zuhört, um das Gehirn, das spielt, und um die Auswirkungen von Musiktraining auf die Kognition.Per restare aggiornato entra nel nostro canale Whatsapp
Musik ist da, um genossen, geliebt, fasziniert, berührt, gebildet, amüsiert, erschreckt und beflügelt zu werden. Ob sie nun durch das Blasen in eine Knochenflöte entsteht, in der Stille eines Renaissancehofes komponiert oder inmitten von Krieg und menschlicher Torheit geschrieben wurde – Musik bleibt die Sprache der menschlichen Seele. Sie drückt die erhabenen Momente aus, die Tiefen, die Fähigkeit, in den Himmel aufzusteigen und bis zum tiefsten Abgrund zu sinken. Es ist daher nicht verwunderlich, dass wir alle große Musikliebhaber sind, schon allein deshalb, weil fast jeder von uns ein Lied oder eine Melodie hat, die unser Leben geprägt hat. Musik ist in der Tat die universelle Sprache, durch die wir unsere Gefühle und Emotionen ausdrücken. Sie ist der Spiegel, der die unendlichen Nuancen des Lebens und der Träume, des Heiligen und des Geheimnisvollen reflektiert. Doch was geschieht im Gehirn, wenn wir Musik hören oder selbst spielen? Warum berührt uns ein Rhythmus, eine Melodie, weckt ein Lied ferne Erinnerungen? Und schließlich: Haben wir uns jemals gefragt, wie all dies unsere neuronalen Schaltkreise formt?
Dies sind die fesselnden und zugleich beunruhigenden Fragen, die den Essay „Cervello in musica“ (Carocci editore, 2026, 236 Seiten) der beiden Kognitionsneurowissenschaftlerinnen Laura Ferreri und Carlotta Lega von der Universität Pavia prägen. Das Buch bietet eine Reise durch Psychologie und Neurowissenschaften, um zu erforschen, wie der Geist Musik wahrnimmt, verarbeitet und produziert. Vom hörenden zum spielenden Gehirn, von den Auswirkungen musikalischer Ausbildung auf die Kognition bis hin zu pädagogischen und klinischen Anwendungen: „Cervello in musica“ schildert auf wissenschaftlich fundierte, klare und fesselnde Weise eines der universellsten und geheimnisvollsten Phänomene menschlicher Erfahrung. Die Kapitel greifen dabei spielerisch auf viele Melodien zurück, die unsere Herzen und Gedanken berührt haben. So gibt es beispielsweise eine Einleitung mit dem Titel „Bevor ich zu einer langen Reise aufbreche“ und eine Reihe von Anleitungen zum Gebrauch psychoneurowissenschaftlicher Fachbegriffe mit dem Titel „Woher soll ich das wissen?“. Das Kapitel, das der Musik und der Bewegung gewidmet ist, wird mit dem Titel „Keep the tempo while Words“ eingeleitet. „Words“ führt uns dazu, die Verbindungen zwischen Musik und Sprache zu entdecken, „Confused and happy“ verbindet Musik und Emotionen und so weiter, harmonisiert oder setzt das Ganze fort, wie der Teil heißt, der dem Erlernen eines Instruments gewidmet ist.
Der Essay schließt mit wachsender Frustration über die mangelnde Aufmerksamkeit, die beispielsweise der Musikerziehung an Schulen zuteilwird, gerade weil wir wissen, wie viel Musik uns intellektuell bieten kann. Großartige Musik ist nämlich nicht sofort für jeden zugänglich, wie etwa ein Sanremo-Lied. Sie muss eingeführt, erklärt und Neulingen quasi „gelehrt“ werden. Und ohne musikalische Vorbildung bleibt ein Großteil der wahrhaft universellen Sprache der Musik unzugänglich. Eine Sprache, die uns hilft, Schönheit zu verstehen, uns neue Aspekte des Lebens entdecken lässt und uns berufliche Wege und sogar unerwartete persönliche Erfüllung für die Zukunft eröffnen kann. Aus diesem Grund, so wagen wir hinzuzufügen, sollte Musik in Schulen mehr sein als ein paar improvisierte Ideen und ein paar Stunden Gitarren- oder Flötenunterricht!
