Ein verlassenes Bauernhaus, kalt und feucht, versteckt zwischen verlassenen Gebäuden und zerstörten Zäunen. Kein Wasser, kein Bett, keine Möglichkeit, Hilfe zu rufen. Hier wurde eine Italienerin tagelang gefangen gehalten, nachdem sie sich geweigert hatte, als Prostituierte zu arbeiten. Ein 19-jähriger Gambier soll sie entführt haben. Er nahm ihr das Handy ab, verband ihr die Augen, entkleidete sie und fesselte sie mit Klebeband und Seilen an Händen und Füßen an einen Stuhl, sodass sie völlig hilflos ausgeliefert war.

Laut Ermittlern begann seine Gefangenschaft am 29. Dezember und endete erst am Neujahrsmorgen, als seine Schreie vor einem heruntergekommenen Gebäudekomplex im Stadtteil Salinella von Taranto Aufmerksamkeit erregten. Unmittelbar nach seiner Freilassung durch Beamte der Spezialeinheit, die von einem Wachmann alarmiert worden waren, wurde der 19-Jährige festgenommen. Er steht im Verdacht, für eine Reihe von Gewalttaten verantwortlich zu sein, die in der Entführung gipfelten. Die Beamten lokalisierten ihn in unmittelbarer Nähe des Bauernhauses und fanden bei ihren Ermittlungen einen Schlüssel, der zu einer der Türen des Gebäudes passte, in dem die Frau gefangen gehalten worden war. Er wird wegen Entführung, Stalking, schwerer Körperverletzung und versuchter sexueller Nötigung angeklagt.

Die von Staatsanwältin Francesca Colaci koordinierten Ermittlungsakten beschreiben einen Ablauf, der auf eine mehrtägige Gefangenschaft hindeutet. Als die Beamten eingriffen, war die Frau durch die Kälte erschöpft, sichtlich erregt und nicht in der Lage, den umzäunten Bereich selbstständig zu verlassen. Um sie zu retten, mussten sie ihr helfen, über den Zaun zu klettern. Ihr körperlicher und psychischer Zustand machte den Beamten sofort die Ernsthaftigkeit der Lage bewusst. Im Gebäude fanden sie Gegenstände, die das Opfer als Fesselungs- und Gewaltinstrumente beschrieben hatte: Seile, einen Gürtel, Stichwaffen und ihr leeres Handy.

Die Frau berichtete den Ermittlern, sie sei wiederholt bedroht, geschlagen und gefesselt worden. Sie erklärte, sie habe mit verbundenen Augen auch die Stimmen anderer Männer gehört. Die Gewalt und das Stalking hätten im März des vergangenen Jahres begonnen. Zu den gemeldeten Vorfällen gehörten Verbrennungen an ihren Fingern durch eine heiße Klinge, die später von medizinischem Personal bei der gerichtsmedizinischen Untersuchung festgestellt wurden. Der 19-Jährige, vertreten durch Rechtsanwältin Patrizia Raciti, erschien heute Morgen vor dem Untersuchungsrichter Francesco Maccagnano. Berichten zufolge bestritt er während der Vernehmung alle Vorwürfe. Der Untersuchungsrichter bestätigte die Festnahme und ordnete Untersuchungshaft an. Er betonte die Schwere der Taten und die hohe Wiederholungsgefahr.

(Unioneonline)

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