Der Bericht über Ranucci ist eingereicht; nun muss der CEO von Rai eine Entscheidung treffen.
Der Inhalt ist geheim, doch herrscht Unzufriedenheit in den höheren Rängen. Die Suche nach einem Nachfolger ist ein reines Ratespiel.Der Bericht des Ethikausschusses zur Affäre um Sigfrido Ranucci wurde CEO Giampaolo Rossi übermittelt und hat eine Entscheidung über die Ausstrahlung der Sendung „Report“ nach sich gezogen. Rossi wird sich nun einige Tage Zeit nehmen, um den Inhalt – der, wie bei solchen Dokumenten üblich, als vertraulich eingestuft wurde – zu lesen und seine Bewertung, wie Unternehmensquellen erklären, völlig unabhängig vorzunehmen. Es handelt sich lediglich um eine unverbindliche Stellungnahme, die nicht automatisch die redaktionelle Entscheidung über einen möglichen Moderatorenwechsel beeinflusst. Fakt ist jedoch, dass in der Führungsetage des öffentlich-rechtlichen Fernsehens große Unzufriedenheit über den Reputationsschaden herrscht, den die Affäre dem Sender zufügt.
So sehr, dass die Führungsriege ihre Ungeduld und Besorgnis über die möglichen Folgen, insbesondere im Hinblick auf die Werbeeinnahmen, nicht verhehlt. Alle Augen sind auf den Fortgang der Ermittlungen gerichtet, da die Details von Valter Lavitolas Handlungen weiterhin unklar sind. Der römische Untersuchungsrichter selbst sprach in der Bestätigung des Hafturteils gegen den Geschäftsmann von „vagen und völlig unklaren Aussagen“ sowie einem „unwahrscheinlichen“ Motiv für dessen Verhör. In diesem Zusammenhang übt die Mehrheit zunehmend Kritik am Moderator, dem von mehreren Mitgliedern der Fratelli d'Italia Intransparenz vorgeworfen wird, weil er die Angelegenheit nicht aufklärt, beispielsweise warum Lavitola „am Tag der Durchsuchung zwei Stunden lang mit dem mutmaßlichen Anstifter des Angriffs telefonierte, um sich ein Alibi zu verschaffen“.
Ranucci, der voraussichtlich im September von einem Richter vernommen wird, kommuniziert seit mehreren Tagen ausschließlich über soziale Medien und hat keine Stellungnahme abgegeben. Sein Anwalt beschreibt ihn als fassungslos: „Er hätte sich niemals vorstellen können, und ich glaube, niemand hätte sich vorstellen können, dass ein Freund zu so etwas fähig wäre.“ „Zu seinem Entsetzen kommen noch Zweifel an den wahren Absichten hinter dieser kriminellen und gefährlichen Tat hinzu.“ Die im Zuge der Ermittlungen gewonnenen Erkenntnisse wurden auch vom Ethikkomitee der RAI geprüft, das jegliches Verhalten bewertete, das möglicherweise gegen ethische Grundsätze verstieß. Dazu gehörte die Weitergabe vertraulicher E-Mails aus dem Firmenpostfach, beispielsweise eine E-Mail von Paolo Corsini, dem Leiter der Investigativabteilung, in der er eine Neuausrichtung der Reportagen forderte. Diese E-Mail leitete Ranucci an Lavitola weiter. Ebenfalls relevant waren Lavitolas Kritik an Rossi und der RAI via WhatsApp wegen des Rundschreibens, das die Moderatoren von der redaktionellen Kontrolle der Sendungen entzog. Schließlich gab es noch eine Sprachnachricht, in der Ranucci über die Präsenz der Mafia und der Freimaurerei im Unternehmen bzw. über unbefugten Zugang zum Unternehmen sprach.
Unzufriedenheit in der Führungsetage deutet jedoch auf eine vorsorgliche Suspendierung Ranuccis hin. Nach der Sommerpause soll eine formelle Prüfung eingeleitet werden, um die Arbeit der Redaktion zu bewerten und gegebenenfalls Sanktionen zu verhängen. Die Suche nach seiner Nachfolge läuft bereits seit einiger Zeit, ist aber aufgrund potenzieller politischer Auswirkungen und der Notwendigkeit, den guten Ruf der Marke „Report“ zu wahren, komplex und noch nicht unmittelbar bevorstehend. Eine Wahl aus den eigenen Reihen ist unwahrscheinlicher als die eines externen Kandidaten. Die langjährige Moderatorin Milena Gabanelli wurde angeblich um Rat gefragt, während Gerüchte Peter Gomez, den Herausgeber von Ilfattoquotidiano.it, als Favoriten sehen. Er wurde jedoch noch nicht kontaktiert und soll die Berichte über seine Ernennung im Urlaub lesen. Der Journalist wird außerdem die Sendung „La Confessione“ zur Hauptsendezeit auf Rai3 moderieren. Auch die Ernennung von Massimo Giletti, der die Leitung von „Lo Stato delle Cose“ übernehmen wird, gilt als unwahrscheinlich.
(Unioneonline)
