Geste wird zu Schrift: Die Biennale-Ausstellung „Alphabets“ kommt ins Contini.
Die Präsentation findet am Freitag, den 22. Mai um 18 Uhr statt.Per restare aggiornato entra nel nostro canale Whatsapp
Eine Zeitschrift, die sich dem Wort widmet, neu geboren in einer Kunstgalerie. Kaum ein Ort wäre geeigneter, um das Wesen der Sprache zu erforschen, die subtile Grenze zwischen malender Geste und schreibender Hand. Vor diesem Hintergrund öffnet die Pinacoteca Carlo Contini in Oristano am Freitag um 18:00 Uhr ihre Pforten zur Präsentation der Ausgabe 1/2026 des Magazins der Biennale von Venedig mit dem Titel „Alfabeti / Alphabete“. Die Veranstaltung, die in Zusammenarbeit mit der Stadtbibliothek von Oristano organisiert wird, beginnt mit Grußworten von Bürgermeister Massimiliano Sanna und Kulturdezernent Simone Prevete. Zu den Rednern gehören Pietrangelo Buttafuoco, Präsident der Biennale von Venedig, und Debora Rossi, Redaktionsleiterin des Magazins und Leiterin des Historischen Archivs, im Gespräch mit Silvia Loddo, Direktorin der Pinacoteca.
„Ich freue mich sehr, dass Präsident Buttafuoco und Direktorin Rossi meinem Vorschlag zugestimmt haben, das neue Biennale-Magazin in Oristano zu präsentieren“, sagt Silvia Loddo. „Das Biennale-Archiv war für mich ein wichtiger Ort des Studiums und der beruflichen Weiterentwicklung. Es bewahrt die Geschichte dieser Institution seit 1895 anhand von Dokumenten, Fotografien, Filmen, Partituren und Kunstwerken.“ Das Biennale-Magazin erscheint nach Jahrzehnten wieder und versteht sich als offenes redaktionelles Labor. Jede monografische Ausgabe soll einen Dialog zwischen den Disziplinen anstoßen, die die venezianische Ausstellung prägen – von den bildenden Künsten über die Architektur bis hin zu Tanz, Musik, Theater und Film – und dabei auch Wissenschaft, Literatur und Mode einbeziehen. „‚Alfabeti‘ stellt das Wort als ursprüngliches Mittel zur Konstruktion von Gedanken und künstlerischer Erfahrung in den Mittelpunkt“, erklärt Debora Rossi. Die Ausgabe beginnt mit einem Zitat von Parmenides. Martin Heidegger identifiziert in seinem Werk das geschriebene und handgeschriebene Wort als das Fundament der Menschheit, als den Ort, an dem Denken und Gestik zusammentreffen. Schreiben ist aus dieser Perspektive kein Ausdrucksmittel, sondern eine ursprüngliche Praxis der Sinnkonstruktion.
Es ist kein Zufall, dass diese erste Ausgabe einen expliziten Dialog mit der im Oktober 1951 erschienenen aufnimmt, in der Theater und Musik eine zentrale Rolle spielten. Diese historischen Seiten enthielten Beiträge von Igor Strawinsky und W. H. Auden zu „The Rake’s Progress“, Betrachtungen über Carlo Goldonis Theater sowie Beiträge zu Bertolt Brechts „Mutter Courage“. Es war ein Kontext, in dem das geschriebene, gesprochene und gesungene Wort sowohl als künstlerisches als auch als politisches Instrument in Erscheinung trat, das die kulturellen Spannungen der Nachkriegszeit widerspiegeln konnte. „Die vorliegende Ausgabe, die dem Thema Alphabete gewidmet ist“, erklärt Loddo, „folgt auf fünf thematische Bände zu Diluvi vicini venturi, La forma del caos, Anteguerra, Materia prima und Applicazioni. Jede Ausgabe enthält Zeugnisse, Interviews, Dialoge und bisher unveröffentlichte Beiträge italienischer und internationaler Künstler und Wissenschaftler und ist reich illustriert mit ikonografischem Material aus dem Archiv. Ein wahrer Schatz an Worten und Bildern, den wir mit Freude und Stolz auch in Oristano präsentieren.“
