Wir sind an Billigflüge und Reisen in alle Welt gewöhnt und vergessen dabei oft, wie neu das Fliegen für uns Menschen eigentlich ist. Vor etwas mehr als einem Jahrhundert bedeutete die Rede von ziviler Luftfahrt praktisch, auf die Zukunft zu setzen. Die weltweit erste Luftfahrtgesellschaft war die deutsche DELAG, die zwischen 1910 und 1914 rund 34.000 Passagiere in großen Luftschiffen beförderte. Die Verbindungen zwischen Frankfurt und den wichtigsten deutschen Städten waren begrenzt.

Der Erste Weltkrieg gab der Luftfahrt einen entscheidenden Aufschwung: Die ersten Passagierflugzeuge und europäischen Flugrouten entstanden. Es handelte sich dabei um kleine Maschinen, die Post und gelegentlich zwei oder drei Passagiere beförderten. Die französische Fluggesellschaft Lignes Aériennes Latecoere nahm Weihnachten 1918 den Flugbetrieb auf der Strecke Toulouse–Barcelona auf, und am 5. Februar 1919 debütierte die deutsche Deutsche Luftreederei auf der Strecke Berlin–Weimar. Die niederländische KLM, gegründet im Februar 1919, ist die älteste noch existierende Fluggesellschaft. Und wie sieht es in Italien aus? 1926 war SISA die erste Fluggesellschaft, die Linienflüge in Italien anbot.

Die Route führte von Turin nach Triest, und die Reise erfolgte mit dem Wasserflugzeug über die Häfen von Pavia und Venedig. 1947 fand der erste Linienflug von Alitalia von Turin nach Rom statt. Er dauerte etwa drei Stunden und leitete eine Ära großer Innovationen für die italienische Zivilluftfahrt ein, wie das Buch „Storie in volo“ (Edizioni Minerva, 2026, 19,00 €, 256 Seiten) von Filippo Anastasi und Rino Anastasio schildert.

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Zwei Protagonisten, die jahrzehntelang die Welt aus der Luft beobachtet haben und heute Erinnerungen, Zeugnisse und Dokumente zusammenführen, um eines der faszinierendsten italienischen Abenteuer des 20. Jahrhunderts und des neuen Jahrtausends zu erzählen: das des nationalen Luftverkehrs. Ein Buch, geschrieben von zwei Stimmen und vier Händen: Auf der einen Seite Filippo Anastasi, Journalist, Korrespondent, Vatikan-Korrespondent und das Gesicht und die Stimme des italienischen öffentlich-rechtlichen Rundfunks und Fernsehens. Auf der anderen Seite Rino Anastasio, Flugbegleiter mit über 33.000 Flugstunden, Koordinator von Sonderflügen und profunder Experte für die organisatorischen Mechanismen, die es ermöglichen, ein Flugzeug in einen Ort institutioneller und diplomatischer Repräsentation zu verwandeln. Das Ergebnis ist ein originelles und fesselndes Buch, das zwei Erzählebenen miteinander verbindet. Zum einen die große historische Erzählung: Das Buch zeichnet die Entstehung der nationalen Fluggesellschaft, den Wirtschaftsboom, den Ausbau internationaler Verbindungen, die Einführung von Düsenflugzeugen, die Ölkrisen, die Deregulierung, die tiefgreifenden Umwälzungen des Luftverkehrsmarktes bis hin zu den jüngsten Ereignissen nach, die das Ende von Alitalia und die Gründung von ITA Airways markierten. Kriege, Terrorismus, Krisen

Finanzielle, geopolitische und technologische Revolutionen werden durch eine einzigartige Linse betrachtet: die derer, die den Wandel der Welt aus dem Flugzeugfenster miterlebt haben. Denn es gibt einen Ort, an dem Geschichte aufhört, bloße Nachrichten zu sein, und zum gelebten Erlebnis wird. Ein Ort, der in den Wolken schwebt, wo Präsidenten, Päpste, Sportchampions, Staatsoberhäupter und gewöhnliche Passagiere für ein paar Stunden denselben Raum teilen. Dieser Ort ist das Flugzeug.

Das Herzstück des Buches bilden jedoch die „Sonderflüge“, die jahrzehntelang Päpste, Staatsoberhäupter und offizielle Delegationen beförderten. Der Leser steigt an Bord der päpstlichen Maschine und entdeckt, wie jedes Detail einer apostolischen Reise organisiert ist – von der Raumaufteilung über die Sicherheitsvorkehrungen bis hin zu den kleinen Details, die jeden Flug einzigartig machen. Tauchen Sie ein in die Atmosphäre jener AZ 4000, die Johannes Paul II., Benedikt XVI., Franziskus und nun Leo XIV. auf ihren Reisen um die Welt begleiteten. Neben den emotionalen Momenten finden sich amüsante und überraschende Episoden sowie Geschichten über Sandro Pertini, Oscar Luigi Scalfaro, Giulio Andreotti, Giovanni Spadolini und viele andere Persönlichkeiten des italienischen öffentlichen Lebens. Auch Berühmtheiten aus Sport und Unterhaltung kommen zu Wort. Von der italienischen Nationalmannschaft bis zu internationalen Reisen, von der Weltmeisterschaft bis zu den Olympischen Spielen, darunter Legenden wie Paul Gascoigne, der in einer der kuriosesten Episoden des Buches eine Rolle spielt. Dies sind Geschichten, die die authentischsten Gesichter der Protagonisten enthüllen, fernab von Rampenlicht und offiziellen Zeremonien. „Geschichten im Flug“ ist daher nicht nur ein Buch für Luftfahrtbegeisterte. Es ist eine Erzählung, die die italienische und internationale Zeitgeschichte umspannt, betrachtet aus einer originellen und privilegierten Perspektive. Denn letztlich ist die Geschichte der Luftfahrt auch die Geschichte eines Landes, das stets danach gestrebt hat, seine Grenzen zu überwinden. Und diese Seiten erinnern uns daran, dass die schönsten Geschichten oft genau dann beginnen, wenn ein Flugzeug die Startbahn verlässt und abhebt.

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