Pflanzen vergessen nie. Sie wachsen in Mauerritzen, wo einst jemand lebte, sie emporranken an den Ruinen vergangener Zeiten, sie bewahren im Duft ihrer Blüten etwas, das Worte nicht fassen können. Vielleicht ist dies der Grund, warum die Pflanzenwelt seit jeher die stille Hüterin der menschlichen Erinnerung ist und warum ein Buch wie „Herbarium der Erinnerung“, herausgegeben von Antonella Camarda und Giulia Simi von der Universität Sassari, einem Bedürfnis entspringt, das so alt ist wie der Akt des Pflückens und Festhaltens einer Blume. Der Band wird am Freitag, dem 24. April, um 18:00 Uhr im Hospitalis Sancti Antoni im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Geschichten der Kunst“ vorgestellt, die von der Pinacoteca Carlo Contini in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt der Stadt Oristano und der Stadtbibliothek organisiert wird.

„Wir freuen uns sehr, dieses Projekt auszurichten, denn es verkörpert genau den Geist, den wir diesen Begegnungen vermitteln möchten“, sagt Silvia Loddo , Organisatorin der Veranstaltung. „Es geht nicht einfach darum, ein Buch zu präsentieren, sondern darum, einen Dialog anzustoßen. ‚Herbarium der Erinnerung‘ arbeitet mit außergewöhnlich intimen Materialien wie Familienarchiven, Familienfilmen, mündlichen Überlieferungen und botanischen Zeichnungen und verwandelt sie in etwas Universelles. So entsteht eine natürliche emotionale Landkarte, in der jeder von uns etwas von sich selbst wiedererkennt. Und genau diese Art von Dialog möchte die Pinacoteca zwischen Kunst, Raum und Gemeinschaft fördern.“ Der Band nimmt tatsächlich die Form eines wahren emotionalen Herbariums an, in dem die Pflanzenwelt zum Schlüssel zur Erforschung der Vergangenheit wird.

Martina Silli und Bruno Savona, die beide bei der Veranstaltung anwesend waren, gestalteten die Ästhetik und das Grafikdesign des Buches und schufen einen visuellen Rahmen, in dem Illustrationen, Texte und Archivmaterialien in einen fortlaufenden Dialog treten. Das Ergebnis ist mehr als ein einfaches Buch: ein zeitgenössisches Herbarium, das über seine botanische Dimension hinaus die Form eines poetischen Archivs von Erinnerungen, Symbolen und inneren Landschaften annimmt. Fotografien, bewegte Bilder, mündliche Überlieferungen und botanische Illustrationen verweben sich zu einer Reise, auf der Sardinien aufhört, bloße Landschaft zu sein, und zu einem gelebten Territorium wird, einem Ort, an dem sich Körper, Gesten und Orte im Laufe der Zeit wie geologische Schichten überlagern. Das Ergebnis ist eine kollektive Reflexion über Erinnerung, über das, was in ihrem fragilen und wandelbaren Material Bestand hat und was sich wandelt. Eine Einladung, das Überdauernde sorgfältig zu untersuchen und zu hinterfragen, was es bedeutet, eine Erinnerung durch die stille und geduldige Linse der Pflanzenwelt zu bewahren.

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