Technologie scheint uns zunehmend zu beherrschen. Denken Sie nur: Unsere Tage sind von Benachrichtigungen durchzogen, Produkte erreichen uns dank digitaler Konzerne, die gleichzeitig die Informationen auswählen, auf die wir zugreifen können, Gesprächsthemen vorschlagen und uns neue Kontakte und soziale Netzwerke empfehlen. Kurz gesagt: Die Verbindung zwischen modernem Leben und Technologie scheint praktisch untrennbar. Doch Vorsicht: Ein Leben inmitten von Technologie bedeutet nicht, sie zu verstehen. Vor allem macht uns das Leben mit Technologie und Innovation nicht automatisch besser, noch verändert es zwangsläufig unsere Denkweise, unsere Entscheidungen und unser Zusammenleben zum Schlechteren. Technologie erfindet keine neuen Tugenden und keine neuen Schwächen. Im Gegenteil: Was Schwächen betrifft, verstärkt sie diese: Oberflächlichkeit, Ablenkung und Kurzsichtigkeit breiten sich rasend schnell aus.

Dies bestätigt der Essay „Das Problem, das wir sind“ (Guerini e Associati, 2026, 21,00 €, 200 Seiten) des Unternehmers und Startup-Gründers Danilo Broggi. Ausgehend von der Gegenüberstellung von „menschlicher Dummheit“ und „Künstlicher Intelligenz“ fasst Broggi fünf Jahre seiner in der Monatszeitschrift Longitude veröffentlichten Reflexionen zusammen und untersucht Szenarien von der Weltwirtschaft über Geopolitik, Umwelt und Arbeit bis hin zu Gesundheit und digitaler Kultur . Jeder Essay zeigt, wie Technologie keine neuen Probleme schafft, sondern vielmehr die seit Langem bestehenden Schwächen unserer Gesellschaften offenlegt: Machtgier, politische und soziale Kurzsichtigkeit, die Unfähigkeit, eine Zukunft zu gestalten, und Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit.

La copertina del libro

Die Annahme ist denkbar einfach: Einer der größten Irrtümer, die man über Technologie – jede Technologie – verbreitet, ist die Behauptung, sie sei neutral. Sie sei weder gut noch schlecht; alles hänge von unserer Nutzung ab. Theoretisch mag das stimmen, doch in der Realität birgt jede Technologie sowohl Vor- als auch Nachteile. Der Philosoph Bacon argumentierte, Technologie schaffe einerseits, zerstöre andererseits, verursache andererseits Probleme und repariere andererseits. Daher ist es wichtig, sie zu verstehen und bestmöglich zu nutzen, indem wir uns unseres Handelns bewusst sind. Künstliche Intelligenz (KI) beispielsweise besteht aus Computerprogrammen, die auf Wahrscheinlichkeiten basieren: KI generiert Sätze und konstruiert Erzählungen allein anhand der Wahrscheinlichkeit, mit der ein Wort auf ein anderes folgt. Aus diesem Grund ist ein sorgfältiger und bewusster Umgang mit ihr unerlässlich, da sie ohne Kontrolle grobe Fehler machen kann. Es ist entscheidend zu erkennen, dass der Mensch einem solchen Werkzeug nicht die vollständige Kontrolle überlassen kann und sollte.

Künstliche Intelligenz (KI) soll den Menschen unterstützen, nicht ersetzen. Diese Technologie ist nämlich nicht in der Lage, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden; ohne angemessene Steuerung kann sie potenziell gefährliche Reaktionen hervorrufen. Es liegt an uns, das Wissen und die Fähigkeiten zu erwerben, die notwendig sind, um zu verstehen, wann KI Fehler macht und die ihr zur Verfügung stehenden Daten falsch verarbeitet. Angesichts einer solchen Technologie, die die menschliche Entwicklung grundlegend verändern wird, liegt die Entscheidung über die Rolle, die wir dieser neuen Technologie in unserem Leben zuweisen, bei uns – als Individuen und als Gemeinschaft. Je leistungsfähiger die verfügbaren Maschinen und Technologien sind, desto mehr müssen wir, wie Broggi vorschlägt, unser eigenes Urteilsvermögen einsetzen, um sie zu steuern. Dieses Buch ist keine Anklage gegen exponentielle Innovationen oder KI, sondern vielmehr eine Einladung, uns selbst neu zu denken: die Kraft der Zusammenarbeit, den Wert der Gemeinschaft und die gemeinsame Verantwortung wiederzuentdecken. Denn das eigentliche Spiel findet nicht zwischen Mensch und Maschine statt, sondern zwischen einer zersplitterten und einer bewussten Gesellschaft.

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