Anlässlich der Feierlichkeiten zum 4. Juli 2026 führte Donald Trump, der damalige Bewohner des Weißen Hauses, offenbar Telefongespräche mit den Staatschefs der Ukraine und Russlands, Wladimir Putin und Wolodymyr Selenskyj. Trump und Putin erörterten dabei offenbar den russisch-ukrainischen Konflikt und dessen Lösung, insbesondere im Hinblick auf Trumps bevorstehende Teilnahme am NATO-Gipfel in der Türkei am 7. und 8. Juli. In einer Glückwunschbotschaft an Trump erklärte Putin offenbar, Russland und die Vereinigten Staaten trügen eine besondere Verantwortung für die globale Sicherheit. Was lässt sich noch sagen? Es bleibt nur, dies zur Kenntnis zu nehmen.

Aber was ist neu? Wahrscheinlich nichts, außer dem, was schon immer bekannt war: Donald Trumps Agenda seit seinem Amtsantritt beinhaltete die Absicht, den Krieg durch die Abtretung ukrainischen Territoriums an Russland zu beenden, sowie die Verpflichtung, eine NATO-Osterweiterung zu verhindern und dabei die Ukraine und Georgien auszuschließen. Schließlich hat Donald Trump selbst stets behauptet: „Das ist Bidens Krieg, und er wäre nie ausgebrochen, wenn er Präsident gewesen wäre.“ Der Kiewer Präsident Selenskyj seinerseits bekräftigt weiterhin: „Europa muss in den diplomatischen Prozess einbezogen werden und seine Stimme muss Gewicht haben.“

Doch in der gegebenen Situation scheint es unmöglich, die Rolle einer zunehmend fragmentierten Europäischen Union hinsichtlich ihrer Ziele zu erkennen oder gar zu identifizieren. Dies gilt umso mehr, wenn man Trumps Ankündigung bzw. Reaktion auf einen bedeutenden Abzug der US-Truppen aus Deutschland bedenkt – als Vergeltung für die Kritik des Bundeskanzleramts am Iran-Krieg, fast so, als wolle er keinerlei Widerspruch dulden. Diese Haltung spricht Bände über den Zustand des Bündnisses. Und erst recht, da es derzeit noch verfrüht ist, von einer Auflösung der transatlantischen Beziehungen zu sprechen. Und seien wir ehrlich: Der Europäischen Union fehlt es aus vielerlei Gründen noch immer an echter strategischer Autonomie: erstens an den notwendigen materiellen Ressourcen; zweitens, weil viele ihrer führenden Politiker noch nicht den nötigen politischen Willen entwickelt haben, dieses Konzept der „Autonomie“ vollumfänglich zu verinnerlichen.

Europa mit seinem Gesellschaftsmodell hätte das notwendige Gegengewicht zu einer stillen, autoritären Abkehr bilden sollen und sollte es weiterhin bilden, die wenig Respekt vor dem Konzept des Individuums und seiner Rechte zeigt. Anders formuliert: Die Vereinigten Staaten, oder vielmehr die Idealvorstellung der Vereinigten Staaten als unverzichtbarer Verbündeter, lassen sich nur schwer aufgeben. Die internationale Bühne scheint darauf ausgerichtet zu sein, ein Gleichgewicht zwischen Wladimir Putins Russland und Donald Trumps Vereinigten Staaten als Atommächten zu wahren. Unklar bleibt jedoch, ob diese Mächte tatsächlich vom Wunsch getrieben sind, die internationalen Beziehungen insgesamt neu zu gestalten und eine stärker auf Konsens basierende Weltordnung zu etablieren. In Wirklichkeit riskieren die beiden genannten Supermächte, ihren sprichwörtlichen Gastgeber zu verlieren.

Xi Jinpings schweigsames Peking könnte höchstwahrscheinlich nur von den Handlungen eines US-Präsidenten profitieren, der seine Bündnisse in Asien gefährdet sieht und China dadurch freie Hand zur Machtübernahme lässt. Ist es nach vier Jahren Konflikt noch sinnvoll, in Waffen zu investieren? Wohl kaum. Die Fortsetzung des Konflikts könnte (und das ist hier zwingend erforderlich) zur Marginalisierung der Position der Europäischen Union beitragen.

Giuseppina Di Salvatore

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