Nigel Farage kehrt ins Parlament zurück. Der Vorsitzende der Reformpartei UK gewann die Nachwahl im Wahlkreis Clacton-on-Sea in Essex und holte sich damit den Abgeordnetensitz zurück, den er erst vor wenigen Wochen verloren hatte. Farage erhielt 22.239 Stimmen und lag damit deutlich vor seinem Hauptkonkurrenten, dem satirischen Kandidaten Count Binface , der mit 9.455 Stimmen die Erwartungen weit übertraf. Farage, der der Bekanntgabe des Wahlergebnisses fernblieb, kehrt somit in einer besonders heiklen Zeit für seine Partei ins Unterhaus zurück.

Die Nachwahl wurde von Farage selbst nach seinem Rücktritt vom Mandat angesetzt. Der Vorsitzende von Reform UK begründete diesen Schritt mit Vorwürfen, die in den vergangenen Monaten hinsichtlich seiner Finanzierung und der Notwendigkeit, wie er argumentierte, den Wählern entgegenzukommen, erhoben worden waren. Farage wies die Anschuldigungen zurück und bezeichnete sie als Teil einer vom Establishment angeführten Schmutzkampagne gegen Reform UK, die in den nationalen Umfragen seit Monaten starke Zuwächse verzeichnete.

Die Clacton-Wahl hat sich jedoch zu einem politischen Test entwickelt, dessen Ergebnisse selbst Kommentatoren zur Vorsicht mahnen. Die wichtigsten Rivalen von Reform UK boykottieren die Wahl und bezeichnen sie als „Farce“. Farage sah sich somit 31 Kandidaten gegenüber, zumeist Unabhängigen oder Vertretern von Kleinstparteien ohne Parlamentssitz. Unter ihnen erregte nur Count Binface, eine satirische Figur, gespielt vom Komiker Jonathan David Harvey, Aufmerksamkeit. Erkennbar ist er an der markanten Mülltonne auf seinem Kopf – eine Figur, die er bereits in anderen britischen Wahlkämpfen verkörpert hat.

Der Sieg ermöglicht Farage zwar die Rückkehr ins Unterhaus, beseitigt aber nicht die Schwierigkeiten, die seinen Wahlkampf begleitet haben. Die Wahlbeteiligung war, wie so oft bei britischen Nachwahlen, besonders niedrig, was die Aussagekraft des Ergebnisses als Momentaufnahme des nationalen Konsenses mindert. Vor allem die Frage der mutmaßlichen Unregelmäßigkeiten bei der Finanzierung bleibt ungeklärt: Die während des Wahlkampfs ausgesetzte interne Untersuchung zur Einhaltung der parlamentarischen Verhaltensstandards soll voraussichtlich im September mit der Wiederaufnahme der Parlamentssitzungen fortgesetzt werden.

Für Farage ist der Sieg in Clacton daher zwar ein parlamentarischer Erfolg, aber nicht unbedingt der entscheidende Test für die Stärke von Reform UK auf nationaler Ebene. Seine Rückkehr nach Westminster erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die Partei mit Spendenkontroversen und einem sich wandelnden politischen Umfeld zu kämpfen hat, nachdem Reform UK monatelang die Umfragen angeführt und die regierende Labour-Partei zuletzt an Boden gewonnen hatte. Die Nachwahl gibt Farage seinen Sitz zurück, doch die eigentliche Bewährungsprobe für ihn und Reform UK bleibt ihre Fähigkeit, den in den Umfragen erkennbaren Konsens in ein breiteres Wahlergebnis umzusetzen.

(Unioneonline/D)

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