Ein möglicher Durchbruch in den gemeinsamen Ermittlungen der Schweizer und italienischen Behörden wird bis Ende März erwartet. Es geht um die Aufklärung des Massakers im Nachtclub Constellation in Crans-Montana, bei dem in der Silvesternacht 41 Menschen, darunter sechs Italiener, starben und 115 verletzt wurden. Das erste operative Treffen zwischen Staatsanwälten der Staatsanwaltschaft Rom und des Kantons Wallis findet vom 23. bis 27. März statt. In dieser Woche will die stellvertretende Generalstaatsanwältin Catherine Seppey, die die Ermittlungen leitet, die Vernehmung der Fotografin Rozerin Ozkaytan, die im Nachtclub Constellation saß, am Mittwoch, dem 25. März, wieder aufnehmen. Ozkaytan wurde in den vergangenen Wochen verletzt und aus dem Krankenhaus entlassen.

„Ich hoffe, die Schweizer Staatsanwaltschaft wird die Ermittlungen beschleunigen, denn angesichts der Schwere der Tragödie können wir es uns nicht leisten, zu lange zu warten. Ich hoffe auch, dass die Ermittlungen ausgeweitet werden, um die Verantwortlichkeiten der Gemeinde, des Bürgermeisters und des Sicherheitsrats zu klären und eine detaillierte Bewertung des Managements der Rettungsmaßnahmen vorzunehmen, das gravierende Mängel aufwies“, erklärt Fabrizio Ventimiglia, der Anwalt der Familie eines der verletzten italienischen Mädchen.

Die Mission in die Schweiz soll römischen Ermittlern die Einsicht in die umfangreichen Akten ermöglichen. Sie können Dokumente auswählen, die für die italienischen Ermittlungen und deren anschließende formelle Übermittlung relevant sind. Für jedes einzelne Dokument ist in jedem Fall die Genehmigung der Staatsanwaltschaft Sion erforderlich. Dies ist der erste konkrete Schritt im Prozess der „verstärkten Zusammenarbeit“, der am 19. Februar in Bern bei einem Treffen zwischen dem römischen Generalstaatsanwalt Francesco Lo Voi und der Generalstaatsanwältin Béatrice Pilloud vereinbart wurde. In den Schweizer Ermittlungen wird gegen Jacques und Jessica Moretti, die Inhaber des Nachtclubs, in dem sich die Tragödie ereignete, wegen Totschlags, Körperverletzung und Brandstiftung ermittelt; außerdem gegen Christophe Balet, Leiter der öffentlichen Sicherheit der Gemeinde Crans-Montana, und seinen Vorgänger Ken Jacquemoud. In Rom wird derzeit gegen Unbekannt ermittelt; es laufen Verfahren wegen Totschlags, fahrlässiger Tötung und Körperverletzung.

Das in zwei Wochen anberaumte operative Treffen zwischen Italien und der Schweiz wird daher ein heikler Schritt sein, um die tatsächliche Kooperationsbereitschaft der Schweizer Staatsanwaltschaft zu prüfen. Die von der italienischen Regierung geforderte Bildung des gemeinsamen Ermittlungsteams rückt unterdessen immer weiter in die Ferne. Der italienische Botschafter in der Schweiz, Gian Lorenzo Cornado, der am 24. Januar nach Rom zurückberufen wurde, ist noch nicht nach Bern zurückgekehrt. Eine Neubewertung der italienischen Position könnte genau davon abhängen, welchen Handlungsspielraum die Walliser Staatsanwaltschaft ihren römischen Kollegen einzuräumen bereit ist.

(Unioneonline)

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