Anschlag in München: Die 39-jährige Ukrainerin Anastasia Berezovska wird gesucht: „Sie floh über Italien.“
Die Frau soll die Grenze bei Ventimiglia überquert haben, und es wurde ein internationaler Haftbefehl ausgestellt. Die Ermittler gehen davon aus, dass sie nicht allein gehandelt hat.Im Fall der 39-jährigen Ukrainerin Anastasia Berezovska, die wegen versuchten Mordes an dem prorussischen Oligarchen Wadim Ermolajew und seiner Familie in Monaco per internationalem Haftbefehl gesucht wird, wendet sich das Blatt. Die Ermittler haben die Flucht der Frau rekonstruiert, die sie nach dem Anschlag – der in einem der sichersten Länder der Welt stattfand – offenbar über Italien führte.
Die Flucht durch Frankreich und Italien
Nach Angaben der monegassischen und französischen Behörden flüchtete die Frau nach der Platzierung des Sprengsatzes zu Fuß nach Beausoleil auf französischem Gebiet. Dort holte sie einen in Deutschland gemieteten und zuvor nahe der Grenze abgestellten Wagen mit deutschen Kennzeichen ab. Von dort aus fuhr sie in Richtung Italien, vermutlich über die Region Menton. Informierte Kreise berichten, dass sie noch am selben Tag des Anschlags die Grenze bei Ventimiglia überquerte und direkt in die Schweiz einreiste. Anschließend kehrte sie nach Deutschland zurück.
Gesichtet in Frankfurt
Die gesuchte Frau wurde Berichten zufolge in Frankfurt am Main, ihrem Wohnort, gesichtet. Die deutsche Polizei hat bereits ihre Wohnung und das Fluchtfahrzeug durchsucht und Beweismittel sichergestellt, die für die Ermittlungen als relevant gelten. Sie ist jedoch weiterhin flüchtig. Die Behörden bestätigen, dass ein internationaler Haftbefehl (Interpol Red Notice) gegen sie erlassen wurde und die weltweite Suche andauert.
Die Anklagepunkte und das Profil der gesuchten Frau
Laut Interpol-Fahndung wird Anastasia Berezovska wegen versuchten Mordes, des Auslegens eines Sprengsatzes an einem öffentlichen Ort zu kriminellen Zwecken und krimineller Verschwörung gesucht. In der Interpol-Akte wird sie als brünett mit mittellangem Haar, einer Tätowierung am rechten Arm – vermutlich einer Schlange – und Deutsch sprechend beschrieben. Laut französischen Medienberichten, die sich auf Ermittlungsquellen berufen, soll sie zudem Verbindungen zum organisierten Verbrechen unterhalten.
Die Ermittlungen
Die Ermittler gingen zunächst davon aus, dass der Angreifer ein Mann war, der eine schwarze Jacke, helle Jeans und eine Bobmütze trug. Eine gründliche Auswertung von Überwachungskameraaufnahmen und die Aussage einer Person, die mit der Verdächtigen in Kontakt gekommen war, führten jedoch zur Identifizierung einer Frau. Die Münchner Staatsanwaltschaft erklärte, dass Berezovska in den Tagen vor der Explosion mehrere Ortsbesichtigungen durchgeführt und sich, um keinen Verdacht zu erregen, als Mann verkleidet hatte.
«Sie handelte möglicherweise nicht allein»
Die Ermittler gehen jedoch davon aus, dass der Anschlag nicht von einer Einzelperson verübt wurde. Der Staatsanwalt des Fürstentums erklärte, die gesammelten Beweise deuteten darauf hin, dass der Verdächtige nicht allein handelte, wodurch die Möglichkeit von Komplizen offenbleibe. Ziel des Anschlags war der 58-jährige, in der Ukraine geborene und mittlerweile zypriotische Geschäftsmann Vadim Ermolaev, der seit mindestens 2021 im Fürstentum lebt. Seine Partnerin und sein Sohn wurden bei der Explosion ebenfalls schwer verletzt. Das Kind wurde im Lenval-Kinderkrankenhaus in Nizza behandelt, die beiden Erwachsenen in das Universitätsklinikum der französischen Stadt. Ermolaev ist außer Lebensgefahr, der Zustand der Frau ist weiterhin kritisch. Gegen den Geschäftsmann bestehen seit Dezember 2023 ukrainische Sanktionen wegen seiner wirtschaftlichen Aktivitäten auf der Krim, einem von Russland annektierten Gebiet.
(Unioneonline/D)
