„Wenn Ihr Sohn Schriftsteller oder Dichter werden will, raten Sie ihm dringend davon ab. Beharrt er darauf, drohen Sie ihm mit Enterbung. Und wenn er sich auch nach diesen Prüfungen nicht beugt, fangen Sie an, Gott dafür zu danken, dass er Ihnen einen so inspirierten Sohn geschenkt hat, der anders ist als alle anderen.“ So sprach Grazia Deledda über die Gabe des Schreibens. Sie widmete ihr Leben dieser Gabe. Morgen, Samstag, der 15. Februar, jährt sich der Todestag der Autorin von „Canne al Vento“ zum neunzigsten Mal. Sie starb in Rom. Ihre sterblichen Überreste ruhen in der Kirche Madonna della Solitudine am Fuße des Monte Ortobene in Nuoro. Ihr Geburtshaus im Viertel Santu Predu ist heute ein Museum, das der Obhut des ISRE anvertraut wurde – eine wahre Fundgrube an Erinnerungen an ihr Leben.

Es ist ein besonderes Jahr, denn 2026 jährt sich auch die Verleihung des Nobelpreises für Literatur zum hundertsten Mal – als einzige italienische Frau wurde ihr diese prestigeträchtige Auszeichnung zuteil. Der Wert ihres Schaffens spiegelt sich in der Begründung für den Nobelpreis wider: „Für ihre schriftstellerische Kraft, getragen von hohen Idealen, die das Leben auf ihrer abgeschiedenen Inselheimat lebendig schildert und sich mit Tiefgang und Wärme den Fragen der Menschheit von allgemeiner Bedeutung widmet.“ Zum hundertjährigen Jubiläum des Preises wurde ihr auch mit Peter Marcias’ Film „Quasi Grazia“ ein filmisches Denkmal gesetzt.

Die Deledda-Forscherin Angela Guiso und Virginia Picchietti untersuchen in ihrem Buch „Grazia Deleddas malerische Ästhetik“ die schöpferische Kraft der Worte, die Bausteine ihres unsterblichen Werkes, und rücken die Schriftstellerin in den Bereich der bildenden Kunst. Grazia Deledda erschafft Geschichten und konstruiert Bilder. Ihre Romane sind Geflechte aus Gedanken und Gefühlen, zugleich lebendige und leidenschaftliche Fresken. Dies untermauert der Vergleich ihrer Werke mit den künstlerischen Ausdrucksformen des 19. und 20. Jahrhunderts (vom Impressionismus bis zu den nachfolgenden Avantgarde-Bewegungen). Die von Angela Guiso und Virginia Picchietti eröffnete, originelle Perspektive zeichnet ein differenzierteres und vielschichtigeres Bild einer modernen Autorin, die den Zeitgeist vollkommen erfasst.

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