Sardinien , ein Land, das historisch mit Langlebigkeit und der Präsenz zahlreicher Hundertjähriger in Verbindung gebracht wird, sieht sich heute mit einem deutlich sich verschlechternden Gesundheitstrend konfrontiert: Übergewicht, Fettleibigkeit und Dyslipidämie nehmen zu und betreffen mittlerweile Hunderttausende von Bürgern, was sich zunehmend auf das regionale Gesundheitssystem auswirkt.

Dies ist das Ergebnis der Konferenz „Dyslipidämie und Adipositas: Zwei Gesichter des kardiometabolischen Risikos“, die von der Italienischen Gesellschaft für Innere Medizin (SIMI) in Sassari veranstaltet wurde und Internisten, Spezialisten und Allgemeinmediziner aus verschiedenen Zentren der Insel zusammenbrachte, um eine Bestandsaufnahme der Diagnose, Prävention und neuer therapeutischer Möglichkeiten vorzunehmen.

Allein im Universitätsklinikum Sassari werden jährlich über 1.000 neue Patienten mit Dyslipidämie oder hohem kardiovaskulärem Risiko aufgenommen. Schätzungen zufolge hat auf Sardinien jeder vierte Mensch zwischen 35 und 49 Jahren einen zu hohen Cholesterinspiegel, bei den über 50-Jährigen steigt diese Zahl auf fast jeden zweiten (Quelle: Istituto Superiore di Sanità). Auf Sardinien tritt zudem häufiger die familiäre Hypercholesterinämie auf, die durch genetische Faktoren bedingt ist.

Darüber hinaus heißt es in den aktuellsten Daten des PASSI-Überwachungssystems des sardischen Gesundheitsministeriums (2023–2024): Schätzungsweise 600.000 Menschen auf der Insel sind übergewichtig (33 % der Bevölkerung) und etwa 160.000 sind fettleibig (etwa 8–9 %). Diese Zahlen, die Sardinien zwar leicht unter dem nationalen Durchschnitt (etwa 2 Prozentpunkte) halten, verdeutlichen einen wachsenden Trend, der Fachleute beunruhigt.

Das Phänomen betrifft alle Altersgruppen, auch Kinder und Jugendliche: Rund 25 % der Kinder und Jugendlichen sind übergewichtig oder adipös (Quelle: SardegnaSalute). Dies verdeutlicht ein strukturelles Problem, das sich in den kommenden Jahren weiter verschärfen wird und eine strukturierte Präventions- und Managementstrategie immer dringlicher macht. Besonders relevant im regionalen Kontext ist der Zusammenhang mit Diabetes, einer in Sardinien weit verbreiteten Krankheit, die häufig eng mit Übergewicht verbunden ist.

„Adipositas und Dyslipidämie zählen aktuell zu den Hauptfaktoren, die mit zahlreichen chronischen Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes und Nierenversagen sowie akuten Ereignissen wie Herzinfarkt und Schlaganfall in Verbindung stehen“, erklärt Chiara Pes , Präsidentin des sardischen Ablegers von SIMI. „Frühe Interventionen verringern das Risiko, an diesen Erkrankungen zu erkranken, deutlich.“

Auf der Konferenz wurden auch die neuesten Therapieoptionen erörtert, wobei besonderes Augenmerk auf Strategien zur Kontrolle von Cholesterin und Plasmalipiden sowie auf innovative Behandlungsmethoden für Fettleibigkeit gelegt wurde.

„Hypercholesterinämie verläuft oft symptomlos; sie verursacht jahrelang keine offensichtlichen Beschwerden, weshalb sich Patienten meist keine Sorgen machen. Zudem werden viele wichtige Medikamente, darunter Statine, aufgrund der Angst vor Nebenwirkungen fälschlicherweise oft verteufelt“, fährt Dr. Pes fort. „Die heutigen Leitlinien besagen, dass wir das LDL-Cholesterin so weit wie möglich und so früh wie möglich senken müssen, um Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die Sterblichkeit zu reduzieren.“

Auf therapeutischer Ebene wurden neben den etablierten Säulen der Therapie, Statinen und Ezetimib, in den letzten Jahren neue Therapieoptionen hinzugefügt, wie zum Beispiel Bempedoinsäure und, in komplexeren Fällen, innovative Medikamente wie PCSK9-Hemmer und Inclisiran, die in spezialisierten Zentren verschrieben werden.

Die Lösung kann jedoch nicht allein medikamentös sein. Experten betonen immer wieder, wie wichtig es ist, die Hauptursachen der Erkrankung anzugehen: Ernährung, körperliche Aktivität und Gewichtsmanagement. Der Lebensstil ist der entscheidende Faktor bei der Regulierung des kardiometabolischen Risikos – eine der größten Herausforderungen der heutigen Inneren Medizin.

Schließlich wird die Anerkennung von Adipositas als chronische Erkrankung immer wichtiger. Dieser Paradigmenwechsel kann laut Experten den Zugang zur Versorgung verbessern, einen multidisziplinären Ansatz fördern und dazu beitragen, das immer noch mit dieser Erkrankung verbundene soziale Stigma abzubauen.

„Die Anerkennung von Adipositas als chronische Erkrankung verändert die Herangehensweise von Ärzten, Institutionen und der Gesellschaft grundlegend“, schlussfolgert Pes. „ Die Betrachtung als Krankheit kann Diskriminierung und Schuldgefühle abbauen, die die Behandlung oft behindern, einen umfassenderen und kontinuierlicheren medizinischen Ansatz für Patienten fördern, die Forschung auf diesem Gebiet intensivieren und die Gesundheitspolitik stärken.“

(Unioneonline)

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