Schon im Mittelalter landeten Menschen an der Costa Smeralda: In Arzachena finden sich Spuren von drei kleinen Häfen.
Es wurden die Ergebnisse einer Studie des Archäologen Marcello Cabriolu vorgestellt. Der Name Porto Cervo erscheint auch auf einer pisanischen Karte aus dem Jahr 1290.Per restare aggiornato entra nel nostro canale Whatsapp
Neue Hypothesen und archäologische Funde belegen, dass die Gallura im Mittelalter eine lebendige, besiedelte Region war, die für den Seehandel offenstand. Der Archäologe Marcello Cabriolu hat diese Jahrhunderte wieder ins Rampenlicht gerückt und die Ergebnisse seiner Forschung in der Stadtbibliothek von Arzachena präsentiert.
Den bisherigen Erkenntnissen zufolge umfasste das Gebiet des antiken Arzachena nicht nur einen, sondern mindestens zwei kleine Häfen, möglicherweise sogar einen dritten. Sollte sich dieser Befund bestätigen, würde dies die historische Interpretation der Region grundlegend verändern: Sie wäre dann nicht länger ein isoliertes und in sich geschlossenes Gebilde, sondern ein Knotenpunkt für den Überseehandel.
Zu den bedeutendsten Entdeckungen zählt die Inbesitznahme der Überreste eines mittelalterlichen Piers in Capriccioli, im Herzen der heutigen Costa Smeralda. Diese Überreste wurden auch fotografisch dokumentiert. Nicht zufällig ist dies dasselbe Gebiet, in dem kürzlich rund 30.000 Münzen gefunden wurden – ein Fund, der die Hypothese bestärkt, dass die Region einst von Handel und Schifffahrt frequentiert war. Auch historische Quellen bestätigen die maritime Aktivität. Eine pisanische Karte aus dem Jahr 1290, die kürzlich von Mario Sotgiu, dem Präsidenten des Vereins „La scatola nel tempo“, vorgestellt wurde, verzeichnet den Namen Porto Cervo. Der mögliche Hafen von Capriccioli käme zu dem bereits identifizierten Hafen in Cannigione hinzu, der auf einem Pergament von 1324 als „port de la mar d'Arseghen“ erwähnt wird. So entsteht Stück für Stück das Bild einer Küste, die alles andere als unbedeutend war. Doch die neuen Erkenntnisse gehen noch weiter. Nahe des heutigen Saline, in einem Gebiet, das einst als Porto Palmas bekannt war, identifizierte Cabriolu Berichten zufolge die Überreste einer Siedlung, die auf den Ruinen einer alten Kirche errichtet worden war. Dies führt zu neuen Hypothesen: Möglicherweise gab es in der Nähe einen weiteren Anlegeplatz an der Küste.
Die Arbeit der Archäologin Cabriolu basiert auf einem integrierten Ansatz: digitale Analyse, Studium historischer Dokumente und Karten, Beobachtung der Landschaft aus der Luft und im Gelände sowie Interpretation archäologischer Spuren, oft minimal, aber dennoch bedeutsam. Dieser Forschungsweg trägt dazu bei, Wissenslücken zu schließen und dem Mittelalter der Gallura eine dynamischere und differenziertere Dimension zu verleihen, als bisher angenommen.
