Ein zunehmend verarmtes Viertel. Latte Dolce in Sassari verliert seit Langem immer mehr Einrichtungen: von der Arztpraxis über die Bank und das Stadtzentrum bis hin zur bevorstehenden Schließung des Arbeitsamtes. Mehrere Vereine sind umgezogen, nur eine Außenstelle des städtischen Sozialamtes ist noch da. Auch die Sozialabteilung (Serd) ist verschwunden und wurde nach San Camillo verlegt. Ihr Verschwinden wird jedoch angesichts der Probleme mit Drogenabhängigen nicht bedauert. Stattdessen wirkt das zweistöckige Gebäude an der Via Bottego wie ein Mahnmal der Verlassenheit. In den 1980er-Jahren beherbergte es das Statistikamt, den Katastrophenschutz und das Straßenbauamt, heute dient es Obdachlosen als Unterkunft. „Die Gemeinde wollte vor einiger Zeit ein Gebäude für die Vereine bauen“, sagt Franco Fenu, Präsident des Vereins Nostra Signora del Latte Dolce und seit 64 Jahren Bewohner des Viertels. „Dann sollten dort bedürftige Familien untergebracht werden.“ Es ist nichts daraus geworden, und das Bild vermittelt ein trostloses Bild: 14 geschlossene Rollläden, zerbrochene Fenster und überall Müll, darunter auch Fäkalien. Das Bürgerbüro in der Via dell'Anziano, das für die Bearbeitung von Dokumenten für rund 9.000 Einwohner unerlässlich ist, schloss während der COVID-19-Pandemie und ist noch immer nicht wieder geöffnet. „Aber warum muss ich nach Li Punti oder in die Via Bogino, um einen Personalausweis zu bekommen?“, beschwert sich ein Anwohner.

Das Komitee Latte Dolce und Santa Maria di Pisa hat wiederholt Alarm geschlagen, und die kürzliche Schließung des einzigen Kinderspielplatzes im Viertel aufgrund maroder Rutschen, Schaukeln und Wippen scheint die Schwierigkeiten zu bestätigen. „Es fehlen Treffpunkte“, sagt Franco, der seit 15 Jahren einen Freiplatz betreut, auf dem sich Bewohner von Latte Dolce und andere zum Tanzen treffen. Das Zentrum, das leider viele Menschen anzieht, ist das Caritas-Zentrum in der Via Kennedy, das Essen und Kleidung anbietet. Dem negativen Bild steht jedoch der Bau einer Mehrzwecksporthalle gegenüber, in der Kleinfeldfußball, Volleyball und Basketball gespielt werden sollen. Dieses Projekt, finanziert vom Nationalen Wiederaufbau- und Resilienzplan (PNRR), dem Fonds für Unvermeidbare Arbeiten (Fondo Opere Indifferibili) und dem Dogenpalast, zielt darauf ab, ein Sportzentrum mit positiven wirtschaftlichen und vor allem sozialen Auswirkungen zu schaffen. Dies ist ein Zeichen für einen Gegentrend, der hoffentlich zu weiteren führen wird.

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