Es ist nicht die Schuld der digitalen Plattformen, aber sie sind die Bühne, auf der emotionale Unreife außer Kontrolle gerät. Anlässlich des „Dies Iudicialis“ – der Veranstaltung, mit der die sardischen Kirchengerichte heute Morgen das Gerichtsjahr eröffneten – debattierten Experten und Richter über die Stabilität moderner Beziehungen.

Die Illusion ständiger Präsenz

Laut Tullio Garau, Präsident der sardischen Psychologenkammer, verstärken soziale Medien bereits vorhandene Verletzlichkeit. Die zwanghafte Suche nach Anerkennung erzeugt einen Teufelskreis: „Eine verzögerte Reaktion löst unbegründete Alarme aus: ‚Ich werde nicht gesehen, ich werde nicht beachtet.‘ Wir suchen im Außen nach etwas, das die Struktur eines noch nicht ausgereiften Selbst stützt.“

Von emotionaler Leere zur Ehelosigkeit

Das Problem beschränkt sich nicht auf den Bildschirm, sondern durchdringt das reale Leben und beeinflusst wichtige Entscheidungen. Pater Emanuele Meconcelli, Gerichtsvikar von Teis, betont, dass Unreife heutzutage die Hauptursache für ungültige Einwilligungen ist: ein „gravierender Mangel an Urteilsvermögen“, der eine klare Einschätzung des nächsten Schritts in der Ehe verhindert. Dieses Phänomen betraf im Jahr 2025 über 70 % der Fälle, die beim sardischen Interdiözesanen Kirchengericht verhandelt wurden.

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