Martinas Schwester, die in Calamosca verschwand, sagte: „Gebt uns wenigstens eine Leiche, um die wir trauern können.“
Die Buchhändlerin scheint vor sechs Monaten spurlos verschwunden zu sein. Sara Lattucas Appell: „Wir glauben nicht, dass sie Selbstmord begangen hat.“Per restare aggiornato entra nel nostro canale Whatsapp
Sechs Monate Schweigen, ohne Antworten oder Frieden. „Das ist unerträglich. Das ist unmenschlich.“ Einhundertsechsundachtzig Tage voller unerhörter Gebete und leerer Fragen, die Ermittlungen laufen noch immer, die Akte liegt bei der Staatsanwaltschaft unter dem allgemeinen Vermisstenvermerk. „Es ist herzzerreißend. Man kommt an einen Punkt, an dem man hofft, dass man wenigstens eine Leiche zum Trauern bekommt.“ Deshalb bat er auch um einen DNA-Test: „Vielleicht ist eine der vielen nicht identifizierten Leichen die von Martina.“
Vielleicht liegt darin der Kern von Sara Lattucas gefasster und würdevoller Trauer: Seit dem 18. November des letzten Jahres zählt sie die Stunden, Tage und Wochen und wartet auf Klarheit über das Verschwinden ihrer Schwester Martina; heute fordert sie unaufhörlich Gerechtigkeit. „Ich will die Wahrheit wissen, denn man kann nicht einfach spurlos verschwinden. Jemand muss mir erklären, was passiert ist.“
Limbo
„Ich fordere Gerechtigkeit!“, Saras Ruf hallt von den Felsenwänden von Calamosca wider. Der Regen hat aufgehört, die Sonne brennt auf das Kap über Cagliari. Die Parkplätze sind voll, die ersten Badegäste schwimmen, das leise Geplauder derer, die ihrem Alltag nachgehen. Genau dort, wo Martinas Leben, einer Angestellten bei Feltrinelli delle Vele, an jenem Dienstag vor sechs Monaten auf mysteriöse Weise geendet zu haben scheint. Die letzten Augenblicke eines grauen Morgens, von einer Kamera eingefangen: Die Frau steigt allein aus ihrem Auto, das am Tatort verschlossen aufgefunden wurde. In ihrer schwarzen Daunenjacke, den Regenschirm in der Hand, geht sie zum Strand von Calamosca. Dann nichts. Nur Stille. Keine Kameras streifen ihren Weg; niemand kann mit Sicherheit sagen, wohin sie geht. So bleibt nur die Qual von Sara und einer ganzen Familie, deren Herzen und Gedanken an diesem Tag in der Zeit eingefroren sind. Zwei Leben, gefangen in einer Art Schwebezustand. „Ich habe gehofft, ich habe gebetet, und aus Respekt vor den Ermittlungen habe ich bis heute geschwiegen. Sechs Monate lang habe ich keine Berufung eingelegt und keine Interviews gegeben. Aber heute sage ich es laut und deutlich: Ich verlange Klarheit. Ich bin es Martina und allen, die sie lieben, schuldig.“ Ein herzzerreißender Schrei, ihre Augen glasig, und wenn man genauer hinsieht, erkennt man Tränen und schlaflose Nächte auf der Suche nach Antworten. Nach sechs Monaten sind sie immer noch nicht da. Und die offene und zugleich als geheim eingestufte Akte, aufgrund der laufenden Ermittlungen und ohne Verdächtige, hilft nicht weiter. „Ich habe Akteneinsicht beantragt, und es ist zermürbend; ich warte schon seit sechs Monaten.“ Vom 18. November 2025.
Stille und Respekt
Hypothesen, Vermutungen und keine Gewissheiten. Sechs Monate später gibt es nur wenige Gewissheiten: Martina wurde an jenem Morgen in Calamosca von Überwachungskameras und anderen Anwesenden gesehen. Sie alle wurden von den Ermittlern vorgeladen und befragt, doch scheinbar lieferte keiner von ihnen hilfreiche Informationen. Der letzte WhatsApp-Zugriff erfolgte gegen 10 Uhr morgens von Martinas Handy, das nachmittags ausgeschaltet war. Das zuletzt damit verbundene Handy gehörte Margine Rosso. „Ich glaube, die Analyse der Nachrichten ist entscheidend. Ich bitte darum, dass wir auch in diese Richtung weitergehen und keine Hypothese ausschließen.“ Nicht einmal die schwierigste. „In den letzten Monaten habe ich alles Mögliche gelesen und gehört; manche haben angedeutet, Martina sei freiwillig verschwunden. Ich bitte um Respekt: Es gibt keinerlei Beweise für die Theorie des freiwilligen Verschwindens“, sagt Sara entschieden. „Außerdem war meine Schwester körperlich nicht in der Lage, sich auf Pfade und Klippen zu begeben, um sich das Leben zu nehmen. Sie hatte Angst und stand ihrer Familie zu nahe, als dass sie Selbstmord begehen könnte.“ Keine schriftlichen Hinweise, keine Spuren. Nur Spekulationen und Schweigen. „Sie könnte jemanden getroffen haben, der ihr wehgetan und sie in ein Auto gezerrt hat. Ich weiß gar nicht mehr, woran ich mich festhalten soll. Aber ich weiß, dass meine Schwester nicht einfach spurlos verschwunden sein kann.“ Deshalb wiederholt sie: „Ich verlange nur Gerechtigkeit.“
Sara Marci
