Dieselbe Stadt, zwei unterschiedliche Perspektiven. Für Autofahrer wird Cagliari zunehmend von Baustellen lahmgelegt. Für den Straßenbaurat Yuri Marcialis hingegen gibt es zwar Behinderungen, aber die Stadt steht nicht unter Belagerungszustand. „Oft heißt es, Cagliari sei vom Verkehr gelähmt. Die Daten zeichnen jedoch ein anderes Bild“, sagt er.

Doch jeden Tag stehen die Autofahrer im Stau.

Cagliari verzeichnet ein Fahrzeugaufkommen, das etwa 140 % der Einwohnerzahl entspricht. Trotzdem liegt die Stadt in Italien nur auf Platz 20, was die im Stau verlorene Zeit angeht. Das zeigt, dass Staus zwar vorhanden sind, aber kein strukturelles Problem darstellen.

Doch die Stadt wirkt wie eine permanente Baustelle: Jeden Tag entsteht eine neue (die jüngste wurde gestern in der Via Molo Sant'Agostino eröffnet). Gibt es da eine Kommandozentrale?

Die Arbeit der Gemeinde wird auf Grundlage technischer Prioritäten, verfügbarer Ressourcen und Finanzierungsfristen geplant. Es besteht zwar eine Abstimmung mit allen anderen Beteiligten, doch sind vorübergehende Beeinträchtigungen in einer Phase mit so vielen gleichzeitig laufenden Maßnahmen unvermeidlich.

Viele der Projekte werden von anderen Behörden durchgeführt, die Genehmigungen werden aber stets vom Palazzo Bacaredda erteilt. Warum werden die Baustellenöffnungen nicht besser koordiniert?

„Auch in diesem Fall glaube ich, dass die Wahrnehmung anders ist als das, was täglich geschieht. Die Abstimmung mit den Versorgungsmanagern ist konstant.“

Aber man kann es nicht sehen.

Nehmen wir die Via Roma. Wir stellten fest, dass die Straßenplanung die Mobilität nicht ausreichend berücksichtigte. Wir setzten gezielte Lösungen zur Verbesserung des Verkehrsflusses um, beispielsweise die Kreisverkehre zwischen der Via Roma und der Viale Diaz, die den Verkehrsfluss deutlich verbesserten. Dieses Vorgehen wenden wir nun in der gesamten Stadt an.

Es gibt Baustellen, die nur langsam vorankommen. Führt die Gemeinde auch Kontrollen bei Bauarbeiten durch, die nicht in ihrem Besitz sind, aber Verkehrsbehinderungen verursachen?

«Die Gemeinde kann nicht direkt eingreifen».

L'assessore alla Viabilità di Cagliari, Yuri Marcialis
L'assessore alla Viabilità di Cagliari, Yuri Marcialis
L'assessore alla Viabilità di Cagliari, Yuri Marcialis

Er ist also nicht an diesen Baustellen beteiligt?

Nein. Der Auftragnehmer prüft über die zuständigen Behörden die Einhaltung der in den erteilten Genehmigungen enthaltenen Auflagen, insbesondere hinsichtlich der zulässigen Nutzungsdauer von öffentlichem Land. Etwaige Strafen für Verzögerungen hängen jedoch vom Verhältnis zwischen Auftragnehmer und Auftraggeber ab.

Straßen: Manche sehen aus wie Mondlandschaften. Wie entscheidet man, welche Straßen jetzt asphaltiert werden sollen und welche warten können?

„Der Zustand des Straßennetzes, den wir vorgefunden haben, ist das Ergebnis jahrelanger unzureichender Instandhaltung. Prioritäten werden nicht willkürlich festgelegt. Sie berücksichtigen den Zustand der Fahrbahnoberfläche, das Verkehrsaufkommen, das Vorhandensein öffentlicher Verkehrsmittel und die Sicherheitsbedingungen.“

Jedes Mal, wenn eine Straße asphaltiert wird, muss sie oft kurz darauf wieder aufgerissen werden. Warum können wir diese Eingriffe nicht so planen, dass ständige Beeinträchtigungen vermieden werden?

Es kann vorkommen, aber viel seltener, als man vielleicht denkt. In den meisten Fällen liegt es nicht an mangelhafter Planung. Bevor die Gemeinde mit dem Asphaltieren beginnt, klärt sie mit den Versorgungsunternehmen ab, ob Arbeiten an den Netzen geplant sind, und koordiniert die Maßnahmen nach Möglichkeit.

Warum passiert das?

„Es kann sich dabei um nachträglich angeforderte Eingriffe oder dringende Arbeiten der Versorgungsunternehmen handeln. Solche Umstände lassen sich naturgemäß nicht planen. Ziel ist es stets, Doppeleingriffe und unnötige Unannehmlichkeiten zu vermeiden.“

Der Stadtrat konzentriert sich stark auf den öffentlichen Nahverkehr und nachhaltige Mobilität (wie z. B. Radwege). Die Anwohner fordern jedoch vor allem schlaglochfreie Straßen und sichere Gehwege. Was meinen Sie dazu?

Dieser Gegensatz ist irreführend. Nachhaltige Mobilität bedeutet nicht, vorzuschreiben, welches Verkehrsmittel zu nutzen ist. Vielmehr bedeutet sie, jedem die Möglichkeit zu geben, das für seine Bedürfnisse am besten geeignete Verkehrsmittel zu wählen und sich dabei auf ein effizientes und sicheres Netz verlassen zu können: Manche nutzen das Auto, manche öffentliche Verkehrsmittel, manche gehen zu Fuß und manche fahren Fahrrad. Die Aufgabe der Verwaltung besteht darin, ein möglichst effektives Nebeneinander aller Verkehrsmittel zu gewährleisten.

Wenn Ihnen heute ein Einwohner von Cagliari erzählen würde, dass es schwieriger geworden sei, sich in der Stadt mit dem Auto fortzubewegen als noch vor ein paar Jahren, würden Sie ihm widersprechen oder…?

Ich glaube, die eigentliche Frage ist eine andere. Es geht nicht darum, den privaten Pkw-Verkehr zu erhöhen, sondern darum, den Menschen eine bessere Mobilität zu ermöglichen. Eine Stadt funktioniert, wenn jeder selbst entscheiden kann, wie er sich fortbewegt. Anstatt nostalgisch in die Vergangenheit zu blicken, richte ich meinen Blick lieber nach vorn. Ich hoffe, dass Cagliari in zwanzig Jahren eine Stadt mit weniger Autos auf den Straßen, einem immer lebendigeren historischen Zentrum, einem noch effizienteren öffentlichen Nahverkehr und einer höheren Lebensqualität sein wird.

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