Das sardische Hinterland und der Verkehr: geplanter Niedergang oder mögliche Neuentwicklung?
Zahlreiche Faktoren müssen beschleunigt werden, um die Prozesse des Zusammenhalts und der territorialen Entwicklung zu fördern.Bahnhof Nuoro (Archiv L'Unione Sarda)
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Doch wie steht es aktuell um die Vernetzung Sardiniens innerhalb seiner Binnenregionen und zwischen diesen und den städtischen Zentren? Hat sich im Laufe der Zeit und mit den wechselnden Regionalregierungen etwas verändert? Welche Maßnahmen sind heute noch erforderlich, um den Bedürfnissen geografisch benachteiligter Gebiete gerecht zu werden?
Sardiniens Binnenland – also jene Gebiete fernab der zentralen Knotenpunkte für grundlegende Dienstleistungen wie Bildung, Mobilität sowie Sozial- und Gesundheitsversorgung, die zwischen zunehmender Entvölkerung und Versorgungsengpässen leiden – scheint weiterhin dringender Interventionen zu bedürfen. Diese Gebiete werden selbst auf grundlegendster Ebene noch immer als zweitrangig betrachtet und weitgehend von der Effizienz großer Zentren ausgeschlossen. Bislang ist unklar, ob diese Gebiete einem geplanten Niedergang geweiht sind oder ob sie vielmehr aufgrund ihrer kulturellen Bedeutung aufgewertet und anerkannt werden sollen, um eine eigenständige wirtschaftliche Entwicklung anzustreben. Anders formuliert: Betrachtet man Sardinien als Ganzes, wäre es wichtig zu verstehen, welche Gebiete sozusagen eine Trendwende vollziehen und sich von ihrer Unterordnung befreien können, und welche stattdessen substanziellere Investitionen benötigen, um Kohäsion und territoriale Entwicklung zu fördern und so ihren unumkehrbaren Niedergang zu verhindern.
Die Fragen sind vielfältig und gewiss nicht leicht zu beantworten. Das Schicksal der Binnenregionen, die man als ultraperipher bezeichnen kann – mit allen damit verbundenen Konsequenzen –, dürfte mit verschiedenen Faktoren zusammenhängen, nicht zuletzt mit der ständigen Vernetzung untereinander. Und vielleicht muss man sich gerade jetzt fragen, ob und inwieweit Sardiniens spezifische territoriale Merkmale aufgrund ihrer einzigartigen Eigenschaften zu eigenständigen Wettbewerbszentren werden können. Die Verbindungen im sardischen Binnenland basieren überwiegend auf Straßen und sind daher von den Treibstoffkosten abhängig. Sie weisen zudem eine sogenannte radiale Struktur auf. Im öffentlichen Nahverkehr sind die Berg- und Binnenregionen hauptsächlich durch ein Netz von Überlandbussen verbunden, das jedoch weitgehend vom Schüler- und Pendlerverkehr abhängt und hinsichtlich Taktung und Angebotsvielfalt verbessert werden muss. Bedenkt man nun, dass der Schienenverkehr, der im Wesentlichen Verbindungen zwischen den größeren Städten herstellt, noch weniger Bedeutung hat, wird deutlich, wie das gesamte System unter den für Binnenregionen typischen geografischen Schwierigkeiten leidet. Landwirtschaft und Tourismus können auch heute noch auf Sardinien Wachstumsmotoren sein, sollten aber durch ein Infrastruktursystem gestärkt werden, das speziell auf die einzigartigen Merkmale der Region zugeschnitten ist.
Giuseppina Di Salvatore – Rechtsanwältin, Nuoro
