Cagliari, Polizeiaufsicht führt Razzien im Amphitheater durch
Unkraut auf dem Arenaboden und Müll entlang des Zauns: Spannungen mit der Gemeinde. Auch in der Villa di Tigellio wurde eine Inspektion durchgeführt. Nach 19 Jahren wird die Bastione di Santa Caterina Ende des Monats wiedereröffnet.Per restare aggiornato entra nel nostro canale Whatsapp
Formal handelt es sich um eine Routinemaßnahme zur Überprüfung des aktuellen Stands der Denkmalpflege. Doch die politische Bedeutung der Aktion erscheint anders und klingt fast wie eine Rüge an die Stadtverwaltung, die für den Verfall ihrer wichtigsten Denkmäler verantwortlich gemacht wird. Niemand spricht es offen aus, aber genau so fühlt es sich an. Gestern Vormittag inspizierten Archäologen der Aufsichtsbehörde für Archäologie, Bildende Künste und Landschaft von Cagliari mehrere geschlossene oder halb verlassene Kulturstätten: das römische Amphitheater, die Bastion Santa Caterina und das archäologische Gelände der Villa di Tigellio. Seit Jahren beklagen Bürger (und in unterschiedlichem Maße auch Politiker) eine paradoxe Situation: Cagliaris Wahrzeichen sind nach wie vor vernachlässigt oder zumindest weit von ihrem Potenzial entfernt (dies gilt beispielsweise für das Amphitheater, das nur über einen Fußweg zugänglich ist).
Traurige Töne
Die Aufmerksamkeit richtet sich vor allem auf das römische Amphitheater, eine der bedeutendsten archäologischen Stätten Sardiniens und (neben der Bastion) sicherlich die wichtigste für Cagliari. Hier sind die Spuren des Verfalls deutlich sichtbar: Unkraut auf dem Arenaboden ist so hoch, dass es sogar die Absperrungen neben den „Höhlen“ verdeckt, und Müll liegt entlang des Zauns. Hinzu kommt, dass weiterhin jeder das Amphitheater betritt, sogar Obdachlose, die dort Schutz suchen. Für die Denkmalpflege, die sich seit Langem für eine zumindest teilweise Wiedereröffnung einsetzt, um das Amphitheater während der Wartezeit auf das 4 Millionen Euro teure Sanierungsprojekt (dessen Fertigstellung Jahre dauern wird) wiederzubeleben, ist der Anblick des Amphitheaters, wie er sich jedem bietet, der vom Zaun an der Viale Fra Ignazio aus blickt, ein Schlag in die Magengrube. Seit mindestens anderthalb Jahren arbeiten die Stadtverwaltung und die Denkmalschutzbehörde an einem Projekt zum Bau einer Bühnenbeleuchtungsanlage, eines Gastronomiebereichs, von Toiletten und, am wichtigsten, eines Wegesystems, das es den Einwohnern und Touristen von Cagliari ermöglichen soll, das Monument sicher von innen bis hinunter in den unterirdischen Bereich unterhalb der ersten Ebene zu besichtigen. Doch von diesem Projekt ist – sei es aufgrund von Bürokratie oder der Langsamkeit der Regionalverwaltung (die über ein Jahr brauchte, um die notwendigen Mittel bereitzustellen) – nur noch Unkraut und Verfall übrig.
Römische Ära
Die Lage der Villa Tigellio, eines außergewöhnlichen Zeugnisses des römischen Cagliari, erscheint nicht weniger prekär. Verlassen und von Unkraut und Müll überwuchert, teilt sie wie das Amphitheater das Schicksal des wichtigsten Monuments der Stadt. Der gute Wille der beiden letzten Stadtverwaltungen hat eine Wiedereröffnung für die Öffentlichkeit bisher verhindert. Im vergangenen Jahr beantragte und erhielt die Denkmalschutzbehörde dank ministerieller Fördermittel die Sanierung des Geländes und die Entfernung des verrotteten Holzstegs. Dies schien grünes Licht für eine Wiedereröffnung zu geben – allerdings nur eine vorläufige, bis die umfangreiche, millionenschwere Restaurierung abgeschlossen ist. Doch daraus wird nichts.
Gute Nachrichten gibt es von der Bastione di Santa Caterina, die nach 19 Jahren Bauzeit bald wiedereröffnet wird: Der Boden ist repariert, es fehlt nur noch die Endreinigung. Diese dürfte in Kürze erfolgen, möglicherweise schon im Juni.
Mauro Madeddu
