Aus der Stadt wegziehen, um Miete zu sparen? In Cagliari ist diese Option deutlich weniger kosteneffektiv als man vielleicht denkt. Das zeigen Daten einer landesweiten Analyse von CNA, die von CNA Sardinien neu aufgelegt wurde. Demnach gehen drei Viertel der Mietersparnis für Kraftstoff, Instandhaltung und den täglichen Weg zur Arbeit drauf. Dies verdeutlicht ein mittlerweile strukturelles Phänomen: Mobilität ist zu einem neuen Fixkostenfaktor für Familien, Arbeitnehmer und Unternehmen geworden.

DAS PARADOXON – Der Mechanismus ist einfach: Immer mehr Familien verlassen die Stadtzentren auf der Suche nach günstigeren Mieten, doch der wirtschaftliche Vorteil schwindet mit jedem Kilometer. Wer monatlich 300 € an Wohnkosten spart, gibt unter Umständen über 2.000 € mehr im Jahr für den Arbeitsweg aus. Eine Art Teufelskreis, der vor allem diejenigen benachteiligt, die keine Alternative zum privaten Verkehr haben.

Das Phänomen betrifft die italienischen Regionen in unterschiedlichem Ausmaß. In den großen Ballungsräumen Mittel- und Norditaliens, wie Mailand und Rom, bietet der Umzug in den Ballungsraum nach wie vor einen deutlichen wirtschaftlichen Vorteil, wenn auch geringer als erwartet: In Mailand reduzieren sich die theoretischen Einsparungen von rund 5.400 € pro Jahr nach Abzug der zusätzlichen Mobilitätskosten von über 2.300 € auf etwas über 3.000 € netto; in Rom sinkt der Vorteil von fast 4.800 € auf rund 2.600 €.

IN CAGLIARI – In der sardischen Hauptstadt Cagliari ist die Lage noch dramatischer: Laut Daten der CNA werden 75 % der Einsparungen durch den Umzug in eine günstigere Wohnung außerhalb von Cagliari durch Benzin- und Fahrtkosten aufgefressen. Dieser Prozentsatz entspricht dem in Ancona und liegt höher als in Perugia (74 %), Neapel (69 %) und Bari (68 %). Die Daten aus Cagliari sind jedoch weniger kritisch als in Städten Süditaliens, wo das Phänomen stärker ausgeprägt ist: In Pescara steigt der Anteil auf 79 %, in Lecce auf 83 %, in Salerno auf 85 %, in Catanzaro sogar auf 87 % und in Potenza auf 89 %, wo der wirtschaftliche Vorteil eines Umzugs lediglich einige hundert Euro pro Jahr beträgt.

WARNUNG FÜR HANDWERKER – Während Pendelstrecken für viele ein großes Problem darstellen, gehört Mobilität für Handwerker zum Berufsalltag. Elektriker, Klempner und Systeminstallateure verbringen ihre Tage damit, zwischen Baustellen, Kunden und technischen Einsätzen hin und her zu fahren. Und die Kosten sind enorm. Laut Schätzungen von CNA legt ein Fenster- und Türenmonteur durchschnittlich 20.000 Kilometer pro Jahr zurück, was Mobilitätskosten von über 4.500 € pro Fahrzeug verursacht. Für einen Elektriker, der täglich im ganzen Land unterwegs ist, steigen die jährlichen Kosten auf etwa 5.600 €, während Klempner und Wartungstechniker, die durchschnittlich 30.000 Kilometer pro Jahr fahren, 6.700 € ausgeben. Am teuersten ist es für Systeminstallateure, die zwischen Inspektionen, Baustellenbesuchen und technischer Unterstützung jährlich mehr als 35.000 Kilometer zurücklegen können, wodurch sich ihre Mobilitätskosten auf fast 8.000 € pro Fahrzeug belaufen. Für sardische Handwerksbetriebe kommen zu diesen Kosten noch weitere, bereits bekannte Gegebenheiten hinzu: die Insellage, die strukturell bedingt den Treibstoff verteuert und diejenigen benachteiligt, die ständig zwischen oft weit voneinander entfernten Zentren pendeln müssen, in einem Gebiet mit geringer städtischer Dichte und einem öffentlichen Nahverkehrsangebot, das für Verbindungen zwischen den Gemeinden im Hinterland und den größeren städtischen Zentren noch immer unzureichend ist.

„VERSTECKTE STEUER“ – „Die Daten aus Cagliari bestätigen einen Trend, den wir schon länger beobachten“, kommentiert Francesco Porcu, Sekretär des CNA Sardegna. „Wer aus der Hauptstadt wegzieht, um günstigere Mieten zu finden, zahlt diese Ersparnis am Ende fast vollständig für den täglichen Arbeitsweg. Das ist eine regelrechte versteckte Mobilitätssteuer.“

Für Präsident Luigi Tomasi wirkt sich das Problem unmittelbar auf die Produktivität der Insel aus: „Für unsere Handwerksbetriebe ist Mobilität keine zusätzliche Kostenbelastung, sondern Teil des Arbeitsalltags. Wir brauchen dringend Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr und in eine Wohnungspolitik, die diese neuen Fixkosten berücksichtigt. Andernfalls riskieren wir, dass ganze Familien und Unternehmen zwischen hohen Mieten in den Stadtzentren und hohen Mobilitätskosten außerhalb der Stadt in die Zange genommen werden.“

DIE FORDERUNGEN – Angesichts dieser Daten fordert CNA Sardinien Maßnahmen auf zwei Ebenen. Auf nationaler Ebene: Koordinierung von Wohnungs- und Mobilitätspolitik, Anreize für den öffentlichen Nahverkehr in Gebieten mit geringer Nachfrage und Berücksichtigung von Berufsgruppen, die beruflich pendeln. Auf regionaler Ebene: Stärkung der Verbindungen zwischen Cagliari und seinem Umland, Mobilitätsförderungsmaßnahmen für Handwerker und Kleinunternehmen sowie Berücksichtigung der Auswirkungen des Wohnungsbaus auf die Stadtplanung des Großraums.

(Unioneonline/vl)

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