Ein mutmaßlich illegales Netzwerk aus Beamten, Technikern und Unternehmen soll die ARPAS-Verfahren und -Inspektionen manipuliert und gleichzeitig Umweltrisiken verschleiert haben. Die Carabinieri der NOE (Nationale Umweltschutzbehörde) deckten zudem eine Reihe mutmaßlicher Unregelmäßigkeiten in Verwaltungsverfahren, Ernennungen und Wettbewerbsverfahren auf, an denen regionale Politiker und Manager beteiligt waren. Nach fünfjährigen Ermittlungen hat der stellvertretende Staatsanwalt Andrea Vacca die Untersuchung gegen 26 Personen formell eingestellt. Zu den Beschuldigten gehören der ehemalige Regionalpräsident Christian Solinas, der Abgeordnete und ehemalige Regionalrat für Umwelt, Gianni Lampis, die Bürgermeister von Quartucciu und Muravera, Pietro Pisu und Salvatore Piu (scheidend), sowie der ehemalige Präsident des Verwaltungsgerichts Sardinien, Francesco Scano, Beamte, Unternehmer und Techniker.

Die Verbrechen

Die Staatsanwaltschaft vermutet verschiedene Straftaten, von ideologischer Fälschung über unzulässige Einflussnahme und Korruption bis hin zu Betrug gegen die öffentliche Verwaltung. Die mutmaßlichen Vorfälle datieren aus den Jahren 2021 und 2022. Die in der Mitteilung über den Abschluss der Voruntersuchungen enthaltenen Vorwürfe offenbaren ein von den Ermittlern als „ARPAS-System“ bezeichnetes System, das durch Druck auf Geschäftsinhaber und Fälschungen zur Verschleierung von Unregelmäßigkeiten, wenn nicht gar Umweltverschmutzung, gekennzeichnet ist. Im Zentrum der Anklage steht der Beamte Giorgio Culazzu, dem vorgeworfen wird, seine Position bei Umweltinspektionen ausgenutzt zu haben, um von Geschäftsinhabern und Technikern des Umweltverbandes Marevivo Vorteile im Gegenzug für günstigere Ergebnisse bei Umweltinspektionen zu erhalten.

Die Unternehmen

Neben Culazzu werden auch Fabrizio Da Pelo, Gian Pietro Ibba, Diego Cani, Alessandro Grosso, Stefano Guaita, Ferruccio Secci, Ezio Esposito und Fabio Carmignani, fast alle Geschäftsführer von Unternehmen, die der Aufsicht der ARPAS unterliegen, der unzulässigen Einflussnahme beschuldigt. Diese Ermittlungslinie steht zudem im Zusammenhang mit mehreren Betrugsfällen, in die Culazzu, Cesare Penco und Battista Grosso, ein Mitarbeiter bzw. ein externer Berater von Eurallumina, verwickelt sind. Laut Staatsanwaltschaft wurden Umweltdaten zu Schadstoffbelastungen manipuliert oder falsche Analysen der Anlagen erstellt. Ähnliche Vorwürfe betreffen auch Giovanni Maricca und Maria Francesca Lobina, einen ARPAS-Mitarbeiter bzw. eine technische Direktorin.

Die Politiker

Staatsanwalt Vacca ist zudem überzeugt, dass der ehemalige Stadtrat Lampis und der damalige Kommissar der Provinz Südsardinien einen Beamten der regionalen Umweltbehörde unzulässig beeinflusst haben, um dessen Stellungnahme gegenüber Eurallumina während einer Dienstkonferenz im Jahr 2022 zu ändern. Gegen den scheidenden Bürgermeister von Muravera, Salvatore Piu, und den Bürgermeister von Quartucciu, Pietro Pisu, wird ermittelt, weil sie die Tochter des Technikers Mario Mossa über eine niedrigere Position in einer anderen Gemeinde eingestellt haben sollen. Auch der Arzt Carlarberto Lippi Serra und Fabrizio Da Pelo werden der Urkundenfälschung beschuldigt. Ihnen wird Bestechung vorgeworfen, weil sie angeblich gefälschte Gesundheitszeugnisse gegen eine Summe von etwa 200 Euro ausgestellt haben. Ein weiterer Ermittlungsstrang, in dem es ebenfalls um den Verdacht der unzulässigen Einflussnahme geht, betrifft den ehemaligen Richter Francesco Scano, ehemaligen Generalsekretär der Region, im Zusammenhang mit einer Wettbewerbsprüfung im Forstamt. Und dann Silvia Curto, die damalige Generaldirektorin, zusammen mit den Managern und Beamten Silvia Cocco, Nicola Onano, Massimo Carboni, Stefano Ferri und Aldo Derudas: Laut Anklage erstellten die Regionalbüros eine Rangliste, die es der Generaldirektorin ermöglichte, eine willkürliche statt einer leistungsorientierten Auswahl zu treffen. Der ehemalige Gouverneur Solinas und die ehemalige Generaldirektorin Curto werden der Urkundenfälschung bestimmter Beschlüsse beschuldigt, in denen die Aufsichtsräte von ENAS und Sardegna Ricerche benannt wurden.

© Riproduzione riservata