Hundert Kerzen, ein strahlender Blick und ein Leben wie aus einem Roman. Maria Giovanna Branduzzi, Bonacinis Witwe, erreichte ihren hundertsten Geburtstag, umgeben von der Liebe ihrer Töchter, Enkelkinder und der gesamten Gemeinde, die sie in den vergangenen sechzig Jahren als eine der stillen Protagonistinnen der sardischen Entwicklung kennengelernt hat. Ursprünglich aus Reggio Emilia stammend, trägt sie noch immer die Spuren einer doppelten Identität: ihrer emilianischen Herkunft und ihres lebenslangen sardischen Erbes. Denn gerade auf Sardinien, dem Land, das sie sich auserwählt hatte und das sie auserwählt hatte, schrieb sich der intensivste Teil ihrer Geschichte.

Ihre Geschichte ist alles andere als gewöhnlich. Gleich nach ihrem Schulabschluss, noch ein junges Mädchen, übertrug ihr Vater, der mit Zitrusfrüchten und Trockenfrüchten aus Sizilien handelte, die Organisation des komplexen Transportnetzes. Für eine junge Frau in jenen Jahren bedeutete dies eine kleine Revolution. Anfang zwanzig zog Maria Giovanna nach Palermo. Mit dem Lkw-Führerschein in der Tasche übernahm sie die Organisation des Transports. Es war die erste echte Bewährungsprobe in einem Leben, in dem Familie und Geschäft, Zuhause und Arbeit fortan eng miteinander verwoben sein sollten, ohne dass jemals eines dem anderen vorgezogen wurde.

In den 1960er Jahren zog sie nach Sardinien, zunächst nach Marrubiu und später nach Arborea. Dort wagte sie gemeinsam mit ihrem Mann den Schritt in die Selbstständigkeit und leitete ein Asbestzementwerk. Sie arbeitete als Buchhalterin und war für die Buchhaltung und die Verwaltung des Unternehmens verantwortlich. Dieses Engagement setzte sie auch neben der Erziehung ihrer beiden Töchter und der Pflege ihres Familienlebens fort.

Heute, mit hundert Jahren, ist sie erstaunlich geistig rege und hat einen frischen, neugierigen Geist bewahrt. Ihren Enkelkindern, die sich um sie versammelt haben, erzählt sie gern die Geschichten ihres Urgroßvaters und die vielen Episoden eines Lebens, das stets an vorderster Front stattfand: von den Lastwagen, die sie in Palermo fuhr, über die Jahre als Leiterin des Marrubiu-Werks bis hin zum Alltag in Arborea, wo die Zeit stillzustehen scheint, um ihr zuzuhören. „Maria Giovanna schaffte es, sich eine verantwortungsvolle Rolle zu erarbeiten, in einer Zeit, in der dies für eine Frau alles andere als selbstverständlich war“, betont Bürgermeisterin Manuela Pintus. „Ihr Leben war stets an vorderster Front zwischen Beruf und Familie angesiedelt und ist ein wertvolles Vorbild für unsere Gemeinde und die nachfolgenden Generationen, auf das wir heute mit Bewunderung und Dankbarkeit blicken. Auch ihre ältere Schwester, ebenfalls über hundert Jahre alt, zeichnete sich als erfolgreiche Ingenieurin aus, zu einer Zeit, als nur wenige Frauen diesen Berufsweg einschlugen. Noch heute erfreut sie sich bester Gesundheit und treibt regelmäßig Sport – ein weiterer Beweis für die Stärke und Vitalität dieser Familie. Die Geschichte von Maria Giovanna Branduzzi ist letztlich auch die Geschichte eines Sardiniens, das sich in den 1960er-Jahren neuen Energien, neuen Familien und neuen Unternehmern aus fernen Ländern öffnete, die sich so sehr mit diesem Land verbunden fühlten, dass sie es als ihr eigenes empfanden. Es ist kein Zufall, dass Maria Giovanna, obwohl ihre Töchter ihr immer wieder nahelegten, nach Emilia zurückzukehren, Arborea nie verlassen wollte.“ Sie wurde zu ihrer wahren Heimat. Hundert Jahre nach ihrer Geburt wird diese Geschichte von Wurzeln und Zugehörigkeit von ihr weiterhin mit Stolz erzählt.

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