Sardinien hat in den vergangenen sieben Jahren 6.900 Hochschulabsolventen verloren – fast tausend pro Jahr. Es handelt sich dabei um junge Menschen, die auf der Insel Grundschule, weiterführende Schule und Universität besucht haben und anschließend für ein Masterstudium oder eine Arbeitsstelle weggezogen sind. Diese Daten stammen aus einer Studie, die die Gewerkschaft CISL am kommenden Mittwoch in Cagliari vorstellen wird. Die Veranstaltung widmet sich dem Wert der Arbeit.

Die OECD schätzt in ihrer Studie „Bildung auf einen Blick“, dass die Ausbildung eines Hochschulabsolventen (mit Master-Abschluss) rund 210.000 US-Dollar kostet. Diese virtuelle Maßeinheit berücksichtigt die Kaufkraftparität, weshalb eine Umrechnung in Euro nicht exakt ist. Dennoch ergibt sich so ein Gesamtbetrag von etwa 180.000 Euro, eine Zahl, die Pier Luigi Ledda, Regionalsekretär des CISL, nicht überrascht: „Dazu gehören“, erklärt er, „öffentliche Investitionen, Familienausgaben, Studiengebühren und sogar die Verdienstausfälle derjenigen, die nach ihrem Abschluss studieren, anstatt zu arbeiten und ein Gehalt zu verdienen.“

Multipliziert man 180.000 € mit den 986 Hochschulabsolventen, die Sardinien jährlich verliert, ergibt sich ein wirtschaftlicher Verlust von 177,5 Millionen € pro Jahr. Hinzu kommt, erklärt Mariano Porcu, Professor für Sozialstatistik an der Universität Cagliari, der Verlust an Fachkräften, die Sardiniens Wirtschaftssystem dringend benötigt.

Unausgewogene Fähigkeiten

„Diejenigen, die die Insel verlassen, sind zumeist Absolventen der sogenannten MINT-Fächer, also naturwissenschaftlich-technischer Fächer. Das heißt, genau jene Studiengänge, die von den Studierenden ein höheres Engagement erfordern und für die die Gesellschaft mehr ausgibt, weil sie Labore und andere Einrichtungen benötigen“, erklärt der Professor.

Fehlende Beiträge

Das Ergebnis? Von den 25- bis 34-Jährigen auf der Insel verfügen nur 25 % über einen Hochschulabschluss, verglichen mit dem europäischen Durchschnitt von 44 %. Dies ist eine weitere bedauerliche Folge: Geringqualifizierte Arbeitskräfte finden typischerweise schlechter bezahlte Jobs mit geringen Sozialversicherungsbeiträgen, während die Insel mit ihrer zunehmend alternden und immer stärker auf Renten angewiesenen Bevölkerung Arbeitskräfte benötigt, die hohe Sozialversicherungsbeiträge zahlen. Stattdessen, so Ledda, „findet sie sich mit vielen jungen NEETs wieder, die weder studieren noch arbeiten.“

Marco Noce

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