Hundert Jahre nach der Verleihung des Literaturnobelpreises an Grazia Deledda würdigt die Unitre (Universität der drei Lebensalter) von Olbia unter der Schirmherrschaft der Stadt die Schriftstellerin mit einer bedeutenden Veranstaltung. Am Donnerstag, dem 5. März, von 17:30 bis 19:00 Uhr, findet in der Aula Magna der Universität Olbia in der Via Porto Romano eine Veranstaltung statt, die eine weniger bekannte Phase im Schaffen der Autorin in den Fokus rückt: ihre Jugend, als Deledda noch keine dreißig Jahre alt war und auf Sardinien lebte, eingebettet in die menschliche, sprachliche und kulturelle Welt, die später einen Großteil ihrer berühmtesten Werke prägen sollte.

Der Philologe Giancarlo Porcu, ein profunder Kenner der sardischen Literatur, führt die Zuhörer durch diese Reise. Sein Vortrag konzentriert sich auf die poetischen und erzählerischen Texte der jungen Deledda, die durch sorgfältige Recherchen in zeitgenössischen Zeitschriften und Publikationen wiederentdeckt wurden. Im Mittelpunkt steht insbesondere ihre Zusammenarbeit mit der Turiner Wochenzeitung „Silvio Pellico“ im späten 19. Jahrhundert, die einige ihrer später in Vergessenheit geratenen Schriften veröffentlichte. Die Wiederentdeckung dieser Materialien ermöglicht heute eine sorgfältige und kritische Neulektüre, die den prägenden Werdegang der Schriftstellerin beleuchtet und ihre stilistische und thematische Entwicklung Schritt für Schritt nachzeichnet.

Ein wichtiger Beitrag zum Verständnis nicht nur der Entwicklung von Deleddas Werk, sondern auch des sardischen und nationalen Kulturkontexts des späten 19. Jahrhunderts. Giancarlo Porcu (Nuoro, 1972), Absolvent der Neueren Literaturwissenschaft in Bologna und promovierter Komparatistiker in Cagliari, verbindet seine Tätigkeit als Herausgeber – mit über 160 herausgegebenen Werken, darunter Belletristik, Sachliteratur und Lyrik – mit fundierten philologischen und literaturwissenschaftlichen Forschungen zur sardischen Literatur in Sardisch, Italienisch und Spanisch. Zu seinen Monografien zählen Studien über Pasquale Dessanai und zur Metrik zwischen Sardinien und Spanien sowie preisgekrönte Werke wie „Ein Rebell im Schatten. Leben und Werk von Pasquale Dessanai“ (Tullio-de-Mauro-Preis). Er hat zudem kritische Ausgaben und Bände zu bedeutenden sardischen Autoren herausgegeben, darunter auch Deledda selbst, von der er kürzlich wiederentdeckte Texte und innovative bibliografische Beiträge veröffentlicht hat.

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