Forever Sa Razza: "Unser Land bleibt bestehen."
Als Pioniere des italienischen Hip-Hop und die ersten, die die sardische Sprache in den Rap einbrachten, veröffentlichen sie nun zusammen mit Vacca ihre neue Single „4 Life“; ein Album ist in Planung.Per restare aggiornato entra nel nostro canale Whatsapp
Man kann es nicht als Rückkehr bezeichnen, denn Sa Razza war nie weg. Als Pioniere des italienischen Hip-Hop und die ersten, die die sardische Sprache in den Rap einbrachten, beschreiben Fabio Leoni, alias Ruido, und Alessandro Sanna, alias Quilo, seit über dreißig Jahren ein Land ohne Stereotypen und verweben Straßenkultur mit Aktivismus. Mit ihrer neuen Single „4 Life“, einer Kollaboration mit dem aus Cagliari stammenden Rapper Vacca, kehren sie nach langer Zeit in die Straßen von Sulcis zurück, wo alles begann – mit dem G-Funk-Sound, der nach wie vor begeistert. „4 Life“ ist eine Hommage an die Insel, wie es in der ersten Strophe heißt: „Tiefe Wurzeln, als wäre sie aus Granit, mein Land widersteht, der Wind weht endlos.“
Ein Identitätsmanifest: Welches Sardinien möchten Sie ins Licht rücken?
Quilo: „In einem Sprachenmix zelebrieren wir unsere Verbundenheit mit unseren Vierteln – mit Ironie, Sarkasmus und sogar sozialem Engagement. Unsere Vision ist die einer sonnigen Insel mit einer starken eigenen Identität, die wir aber nicht für ein exotisches Produkt ausnutzen. Wir erzählen vom Leben, seinen Freuden und Sorgen, ohne jemals Selbstmitleid zu empfinden.“
Musikalisch entschieden Sie sich für eine Rückkehr zu Westküsten-Atmosphären: eine Hommage an die Geschichte der Gruppe?
Ruido: „Sa Razza ist außerhalb Sardiniens vor allem dank ihres ersten Albums „Wessisla“ aus dem Jahr 1996 bekannt, das Einflüsse der Westküste, von Los Angeles bis Compton, aufgriff. Dort haben wir angefangen.“
Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Vacca?
Ruido: „Wir kennen uns schon lange und respektieren einander. Er hat Sa Razza immer als künstlerische Inspiration betrachtet. Vor einiger Zeit hat er uns auf seinem vorletzten Album „Barroso“ ein Lied gewidmet, „Sangre De La Isla“.
Kehren wir zum Anfang von Sa Razza zurück, wie hat alles angefangen?
Quilo: „Im sogenannten Jahr Null des Hip-Hop lag der Fokus vor allem auf dem Musikmachen. Iglesias, unsere Stadt, erlebte nach der Schließung der Minen einen regelrechten Boom und steuerte einer ungewissen Zukunft entgegen. Rap half uns, uns auszudrücken, unseren Leidenschaften auf gesunde Weise Luft zu machen, Probleme anzuprangern und, warum nicht, auch mal Spaß zu haben. Worte, Graffiti und Musik waren unsere Schule. In einem Bunker mit Rais (Massimiliano Deidda) und Ruido, damals noch DJ Noize, wurde zum ersten Mal Rap in sardischer Sprache auf Kassette aufgenommen.“
Was war die größte Herausforderung in jenen Jahren?
Ruido: „Die größte Herausforderung war wohl die Überquerung des Meeres und die Landung auf einer uns unbekannten Halbinsel. Mit etwas mehr Glück wären wir vielleicht noch weiter oben gewesen.“
Wie hat sich das Verhältnis junger Menschen zur Sprache und zu ihren Wurzeln verändert?
Quilo: „Das ist einer der wunder Punkte der Geschichte. Limba war nie eine Einschränkung; im Gegenteil, es sollte als immense Bereicherung betrachtet werden. Viele bringen es wieder in Mode, aber manchmal wird es als provinziell angesehen. Nichts könnte falscher sein. Wir haben keine radikale Vision; es gibt viel Spielraum, um mit Zweisprachigkeit und Slang zu experimentieren. Aber 'imperai su sardu po fai su rap d'onia tanti chi no est bregungia'.“
Du hast jede Phase des italienischen Hip-Hop miterlebt. Was hast du dabei gewonnen und was hast du verloren?
Ruido: „Wir haben viel Hintergrundwissen gewonnen, aber die Botschaft verloren. Manchmal verfallen wir in Banalitäten und erkennen die Macht der Worte nicht. In den Händen von Teenagern können Idole zu Waffen werden.“
Wie sehr hat sich das Konzept der „Straßenglaubwürdigkeit“ verändert?
Quilo: „Glaubwürdigkeit auf der Straße ist keine tausend Euro teure Halskette. In den 1990er Jahren hatten wir wenig, und es war selbstverständlich, nach Möglichkeiten zu suchen, zu reisen und zu lernen. Heute sind wir hypervernetzt, ein Vorteil für alle, der aber tatsächlich zu einer Standardisierung in allen Sektoren führt.“
„4 Life“ blickt zurück auf seine Wurzeln, aber auch in die Zukunft: Nächstes Kapitel?
Quilo: „Es ist das „Sternentor“, eine Tür, die wir zu einem neuen Album geöffnet haben, nach über einem Jahr Arbeit mit einem fantastischen Team, das wir mit einer Reihe kommender Singles präsentieren werden.“
Gibt es schon Vorschauen?
Quilo: „Merkt euch diesen Termin vor, den 26. Juni. Folgt einfach unseren Social-Media-Profilen, um uns zu unterstützen. Wir geben wieder alles und werden keinen Millimeter nachgeben.“
