Von Sardinien nach Chicago: Das Galluras Museum setzt seinen Weg in die internationale akademische Welt fort, nachdem es auf dem 17. Kongress der Spanischen Gesellschaft für Anthropologie (ASAEE) auf den Kanarischen Inseln erfolgreich vertreten war. Die Forscherin Lara Corona, Professorin an der Universitat Internacional de Catalunya und Vorstandsmitglied der College Art Association, bringt die Erfahrungen des Galluras Museums in die USA. Sie präsentierte in Chicago eine Studie zum Thema „Kuratorische Strategien und Community-Verbindungen im Galluras Museum“.

Im Zentrum der Forschung steht das Museum der Femmina Agabbadora, gegründet und geleitet von Pier Giacomo Pala. Laut Corona stellt dieser Ausstellungsraum die traditionelle Sichtweise auf den Kopf: Frauen sind nicht länger Randfiguren der Familiengeschichte, sondern Protagonistinnen der Erinnerung und der Wissensweitergabe. Durch die immersive Rekonstruktion eines traditionellen Gallura-Hauses erforscht das Museum die Rolle der Frau in den grundlegenden Lebensphasen – von der Geburt bis zum Tod – und rückt sie als Hüterinnen von Wissen, Beziehungen und der Kontinuität zwischen den Generationen wieder in den Vordergrund. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Figur der Femmina Agabbadora, die nicht in einen folkloristischen Kontext gestellt wird, sondern in ein historisches Netzwerk der Fürsorge und ethischen Verantwortung am Lebensende eingebettet ist. Diese Darstellung vereinfacht das Thema nicht und liefert keine endgültigen Antworten, sondern lädt vielmehr dazu ein, sich mit der moralischen und kulturellen Komplexität auseinanderzusetzen. Ein weiteres prägnantes Merkmal ist der kuratorische Ansatz des Museums, der auf der Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung basiert. Die mündlichen Überlieferungen von Frauen und Ältesten bilden das Rückgrat der Ausstellung.

„Im Galluras Museum“, betont Corona, „liegen 80 % des Wertes in den Beziehungen, die es fördert, während nur 20 % auf die Objekte selbst entfallen.“ Jedes Artefakt trägt Erinnerungen und emotionale Bindungen in sich, die seine Bedeutung prägen. So entsteht ein Museum, das sich als lebendiger Organismus präsentiert, ein Geflecht von Beziehungen, in dem Fürsorge zu einer kulturellen, ethischen und politischen Praxis wird. Ein Modell, das bei Gallura-Liebhabern und -Forschern weiterhin großes Interesse weckt.

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