Nur noch wenige Tage bis zum Ende einer Ausstellung in Palau, die einen Besuch wirklich wert ist. „Palau und seine Erinnerung … und geh mit mir“, die noch bis zum 31. Januar im Cineteatro di Montiggia zu sehen ist, erzählt in Schwarz-Weiß eine Geschichte von Gesichtern, Händen, Haltungen und Stille. Die Aufnahmen von Tatiano Maiore und Nanni Angeli zeigen eine Stadt, als sie noch aus einer Ansammlung von Häusern rund um die Anlegestelle der „La Maddalena“ und die Militärsklaverei bestand, bevor der Tourismus ihre Skyline veränderte.

Gewöhnliche Männer und Frauen, eingefangen in ihrem Blick, Menschen, „deren Leben zwischen dem ersten und zweiten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts begann“, Protagonisten eines kurzen und harten Jahrhunderts, „voller plötzlicher Veränderungen, Not, Gewalt und Freude, die ihr Leben lang mit ihren Händen arbeiteten“. Die Fotografien treten in einen Dialog mit den Worten. Manche erinnern sich: „Es war ein ruhiges Land, aber es gab Armut, die Arbeiter wetteiferten darum, die Straße zu bauen“, und andere seufzen: „Sie haben keine Ahnung, was für ein Leben wir führten, es war ein elendes Leben.“ Der Krieg taucht in nüchternen Sätzen wieder auf: „Auf der Brücke gab es Panzerabwehrfeuer … Wir waren zu siebt, drei von uns haben überlebt.“ Reisen waren langsam, fast episch: „Damals war die Straße nicht wie heute, man brauchte sechs Stunden mit dem Pferd.“ Manche sahen die Welt vom Meer aus: „Ich war in Amerika, ich war in Japan, ich war in Australien, und 1928 reiste ich nach China, eine 34-tägige Reise.“ Andere erlebten schon früh Not: „Wir kamen als Hirten … schon mit sieben Jahren“, oder „Ich war 13, als ich jeden Morgen nach Palau ging, um ein Handwerk zu lernen.“ Und dann gibt es jene, die sich an ein althergebrachtes, häusliches Gesundheitssystem erinnern: „Sie gingen nie ins Krankenhaus; meine Mutter half mir; sie war meine Hebamme.“ In diesem Geflecht aus Bildern und Stimmen erscheint die Stadt Palau, deren Geschichte im 20. Jahrhundert geschrieben wurde. Eine Gemeinschaft, die sich heute gewandelt hat, aber ihre Vergangenheit bewahrt. Hinter der Kamera stehen zwei unterschiedliche Perspektiven (eine lebende, die andere verstorbene), die sich zu ergänzen scheinen: die von Nanni Angeli, einem Fotografen aus Palau und gemeinsam mit seinem Bruder Paolo die kulturelle Seele des internationalen Festivals „Isole che parlano“ (Die sprechenden Inseln), das bedeutende Aktivitäten und Publikationen im In- und Ausland sowie Ausstellungen veranstaltet; und die von Tatiano Maiore, einem Fotojournalisten aus La Maddalena, der für große italienische Zeitungen die Welt bereist hat. Ein dokumentarisches und sentimentales Archiv, das der Vergangenheit und dem Leben der Männer und Frauen, die die Geschichte des Landes geprägt haben, Würde verleiht.

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