Der „Blue Monday“, der deprimierendste Tag des Jahres, ist da: Hier ist der Grund dafür.
Ein Werbegag von vor über zwanzig Jahren, der irgendwie überlebt hat und immer noch funktioniertPer restare aggiornato entra nel nostro canale Whatsapp
Der wohl deprimierendste Tag des Jahres scheint ganz bestimmte Koordinaten zu haben : Er heißt „Blue Monday“ und fällt jedes Jahr auf den dritten Montag im Januar, also heute. Seine Ursprünge reichen über zwanzig Jahre zurück, als das Reiseunternehmen Sky Travel 2005 eine Kampagne startete, um seine Kunden davon zu „überzeugen“, dass jegliche Traurigkeit, die sie möglicherweise empfanden, eine wissenschaftliche Grundlage haben könnte. Und um dem entgegenzuwirken, wäre die beste Option – ganz zufällig – die Buchung eines schönen Urlaubs gewesen.
Der Psychologe Cliff Arnall wurde beauftragt, eine Formel zur Bestimmung des traurigsten Tages des Jahres zu entwickeln, die willkürliche Variablen wie das Wetter, Schulden nach den Feiertagen, sinkende Motivation und das Gefühl, „von vorne anfangen“ zu müssen, kombiniert. Die Formel wurde nie validiert oder repliziert, und im Laufe der Zeit hat selbst ihr Autor den rein kommerziellen Charakter des Vorhabens eingeräumt.
Es gibt jedoch noch andere Gründe, warum Menschen im Januar trauriger sein könnten, wie das Ende der Weihnachtszeit und die anschließende Rückkehr in den Arbeitsalltag. Oder das Gefühl, nicht in Bestform zu sein und noch einige unerledigte Vorsätze vor sich zu haben. Hinzu kommen das winterliche Klima und die kürzeren Tage – so wird schnell klar, warum die Marketingkampagne so erfolgreich war.
Abgesehen von Werbetricks ist der Januar tatsächlich ein besonderer Monat für unser seelisches Gleichgewicht. Es gibt eine klinisch anerkannte Erkrankung, die saisonale affektive Störung (SAD), die zeigt, dass der Wechsel der Jahreszeiten für einen Teil der Bevölkerung mehr als nur eine vorübergehende Empfindung ist. Laut einer globalen Analyse leiden etwa 5 % der Weltbevölkerung an SAD. Die Symptome treten typischerweise in den Wintermonaten auf und klingen mit dem Einsetzen des Lichts und dem Frühling wieder ab. Die Häufigkeit variiert je nach Breitengrad und Diagnosekriterien, doch die Daten sind aussagekräftig und offenbaren eine reale, oft unterschätzte Verletzlichkeit.
Das bedeutet nicht, dass Niedergeschlagenheit in den kälteren Monaten gleichbedeutend mit einer Diagnose ist, noch dass der „Blue Monday“ mit einer klinischen Depression einhergeht. Es bedeutet jedoch, dass dies eine emotional sensiblere Jahreszeit ist, in der Körper und Geist empfindlicher auf Veränderungen reagieren. Dies zu akzeptieren ist der erste Schritt, um sich besser zu fühlen.
Zum Schluss noch eine kleine sprachliche Anmerkung: Die Verwendung der Farbe Blau als Ausdruck von Traurigkeit lässt sich bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen, als der englische Dichter Geoffrey Chaucer die Zeile „mit blauen Tränen und einem verwundeten Herzen“ in sein Gedicht „Die Klage des Mars“ einfügte. Auch andere Sprachen haben diese Konvention übernommen, um Trauer und Kummer auszudrücken. Im Englischen sagt man „feeling blue“, im Französischen entspricht dem Ausdruck „avoir le blues“, wörtlich „den Blues haben“.
(Unioneonline/D)
