Das Urteil erging am siebzigsten Geburtstag von Massimo Cellino: Das Gericht erklärte Brescia Calcio für liquidiert, für bankrott und beendete damit endgültig die Geschichte des 1911 gegründeten Vereins, der mit Größen wie Roberto Baggio, Pep Guardiola, Andrea Pirlo, Gheorghe Hagi, Luca Toni und Alessandro Altobelli wichtige Kapitel der italienischen Fußballgeschichte geschrieben hatte.

Das Urteil markiert den jüngsten Höhepunkt einer Krise, die sich in den vergangenen 18 Monaten zugespitzt hat. Alles begann mit der unterlassenen Zahlung von Gehältern und Sozialbeiträgen über Steuergutschriften, die sich später als nicht existent herausstellten. Seitdem folgten Untersuchungen durch Covisoc, Einwände der Bundesstaatsanwaltschaft und der Acht-Punkte-Abzug, der die Tabelle der Serie B neu ordnete, Brescia absteigen ließ und Sampdoria rettete.

Die ohnehin schon prekäre finanzielle Lage verschärfte sich rapide. Massimo Cellino entschied, die Mannschaft nicht für die Serie-C-Meisterschaft 2025/26 anzumelden und verzichtete auch auf die Zahlung der Gebühren für den Titelerhalt. Der italienische Fußballverband FIGC entzog dem Verein daraufhin die nationale Lizenz , und Brescia zog sich nach 114 Jahren Geschichte aus dem Profifußball zurück. In den folgenden Monaten wurden rechtliche Schritte eingeleitet.

Die Staatsanwaltschaft Brescia beantragt die Liquidation des mit Schulden in Höhe von fast 20 Millionen Euro belasteten Vereins. Cellino versucht zunächst einen Sanierungsplan, dann einen Vergleich mit den Gläubigern und sichert gleichzeitig die Reaktivierung der historischen Registrierungsnummer von Brescia Calcio – ein Schritt, der als unerlässlich gilt, um den Konkurs abzuwenden und die Möglichkeit eines Neustarts in den Amateurligen zu wahren. Doch diese Bemühungen reichen nicht aus.

Mit dem heutigen Urteil eröffnete die Insolvenzabteilung des Gerichts von Brescia offiziell das Liquidationsverfahren und bestellte Alessandro Pernigotto zum Insolvenzverwalter und Luigi Meleleo zum Liquidator. Dieser wird ab sofort das Vermögen des Vereins verwalten und die Schulden eintreiben. Damit endet die Amtszeit von Massimo Cellino, der seit 2017 Präsident war, und eine der schwersten Unternehmenskrisen im italienischen Fußball der letzten Jahre findet ihr Ende. Sportlich gesehen hat die Stadt mit dem Projekt Union Brescia bereits wieder einen Profiverein, der in diesem Jahr den Aufstieg von der Serie C in die Serie B anstrebt. Die Zukunft der traditionsreichen Marke und der Registrierungsnummer von Brescia Calcio bleibt hingegen vom Ausgang des Insolvenzverfahrens abhängig.

(Unioneonline)

© Riproduzione riservata