„Am 2. Juni schenkte mir ein Fremder eine zweite Chance. Ich denke jeden Tag an meinen Spender. Ich weiß nicht, wie ich ihm und seiner Familie danken soll.“ So beginnt die Geschichte von Clara Melis, 39, aus Villagrande in der Ogliastra. Eine Geschichte der Hoffnung und Dankbarkeit, aber auch eine Botschaft über die Bedeutung der Organspende. Die Schönheitschirurgin arbeitet in Cagliari und Tortolì. Als angesehene Expertin hat sie über 70.000 Follower in den sozialen Medien. Hinter ihrem Lächeln verbirgt sich ein Kampf, der in ihrer Jugend begann: eine Reihe von Autoimmunerkrankungen, die sich über die Jahre hinweg immer weiter verschlimmerten und schließlich ihre Leber schädigten.

Die Gewissheit

Die Jahre vergingen mit Krankenhausaufenthalten, Therapien und Kontrolluntersuchungen. Im Juni 2013 wurde seine Krankheit durch einen schweren Verlust verschlimmert: den Tod seines Bruders Edoardo, allen bekannt als Zazzo. Trotz dieser Schwierigkeiten setzte er sein Universitätsstudium fort und schloss es 2018 mit dem Doktortitel in Medizin ab. Er baute sich eine Karriere auf.

2021 verschlechterte sich ihr Zustand erneut, und eine Transplantation war nicht mehr möglich. „Ich bin damit aufgewachsen, dass es durchaus passieren könnte. Aber wenn der Moment naht, ist man nie darauf vorbereitet.“ 2025 begann eine neue, lange und beschwerliche Reise: Facharztbesuche, Untersuchungen, Krankenhausaufenthalte. Am 28. Januar 2026 wurde sie auf die Warteliste gesetzt. Der erste Anruf kam zwei Wochen später. Der zweite im April, der dritte im Mai. Jedes Mal wich die Hoffnung der Enttäuschung.

Das Signal

Nach monatelangem Warten und enttäuschten Hoffnungen hört sie auf, sich selbst etwas vorzumachen. „Ich hatte beschlossen, an den Sommer zu denken.“ Am 1. Juni ist sie mit ihren Freunden im Poetto. Plötzlich landet ein Marienkäfer auf ihrer Hand. „Ich sagte scherzhaft: ‚Na los, bringt mir eine Leber!‘“ Achtzehn Minuten später kommt der Anruf aus dem Krankenhaus. Für Clara ist es ein Zeichen, dass ihr geliebter Bruder nicht mehr da ist. „Ich bin überzeugt, dass der Marienkäfer er war. Wir hatten zwei identische Serviettenringe mit Marienkäfern darauf.“

Clara Melis in ospedale al Brotzu post trapianto

Zahlen und Symbole

Sie erreicht Brotzu, macht sich aber keine großen Hoffnungen. Die Bestätigung kommt in der Nacht. Am nächsten Morgen begleitet das medizinische Personal sie in den Operationssaal. Die Stimmen der Anästhesisten sind das Letzte, woran sie sich erinnert. „Sie sagten mir, ich solle an etwas Schönes denken. Aber ich musste mir nichts vorstellen. Ich war genau da, wo ich sein wollte: Ich holte mir mein Leben zurück.“ Am 2. Juni 2026 erhält sie die Leber, die ihr Leben rettet. „Ich bin die 604. Transplantation, vier wie die Trikotnummer meines Bruders, sechs wie der Monat, in dem ich ihn verloren habe.“ Ein Dankeschön an das Team der Leber- und Gallenwegschirurgie: „Sie haben mich mit Professionalität und Menschlichkeit begleitet. Wenn ich diese Geschichte heute erzählen kann, dann verdanke ich das dieser Geste. Ohne die Transplantation hätte es kein Happy End gegeben. Ich danke meinem Spender und seiner Familie jeden Tag dafür, dass sie mir das Leben geschenkt haben. Ich verspreche, ihr Geschenk zu ehren, indem ich dieses zweite Leben in vollen Zügen genieße.“

Federica Melis

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