Mitreißende Refrains, spektakuläre Musikvideos, bis ins kleinste Detail ausgearbeitete Choreografien: Die Erfolgsformel des in Seoul beheimateten K-Pop hat auch Cagliari erobert, wie der überwältigende Erfolg der gestrigen Veranstaltung im Palazzo Doglio, der „K-Pop Family Dinner Show“, eindrucksvoll bewies. Die Show brachte die koreanische Welle, die die Welt in den letzten zwanzig Jahren in ihren Bann gezogen hat, direkt ins Herz der Hauptstadt.

Zwischen Live-Auftritten, Mini-Tanzkursen, Spielen und kreativen Workshops sowie kleinen interaktiven Erlebnissen, die von den Animatoren von Seconda Stella, dem Partner der Veranstaltung, geleitet wurden, tauchten Kinder und Eltern gemeinsam in die farbenfrohe Welt ein, die Gruppen wie BTS und Blackpink zu globalen Superstars gemacht hat. Und „K-Pop Demon Hunters“, der Animationsfilm, der in den letzten Monaten alle Rekorde auf Streaming-Plattformen gebrochen hat, ist nur die Spitze des Eisbergs.

Die Revolution

Das K-Pop-Phänomen, eine gigantische Industrie mit einem Wert von rund 5 Milliarden US-Dollar, 89 Millionen Fans in 113 Ländern, 16 Millionen monatlichen Hörern auf Spotify und unzähligen Konzerten auf allen Kontinenten, ist längst kein Nischenphänomen mehr für Kinder und Jugendliche, sondern das Ergebnis zweier Jahrzehnte kultureller Entwicklung, die Südkorea zu einer Unterhaltungsmacht gemacht haben. Experten nennen es „Hallyu“, eine Revolution, die nicht nur Musik, sondern auch Fernsehserien (wie „Squid Game“), Filme (darunter der Oscar-prämierte Film „Parasite“), Mode und in jüngster Zeit sogar Kosmetik exportiert hat.

Die Wurzeln

Die Pioniere des Genres reichen bis in die 1990er und frühen 2000er Jahre zurück, als Gruppen wie Big Bang, Girls' Generation, SHINee und Super Junior ein Modell schufen, das selbst zum Vorbild werden sollte: Pop-Songs, verschmolzen mit Hip-Hop, R&B, Funk und Disco, hypnotische Looks und eine fast schon obsessive Verbindung zu ihren Fans. Doch 2012 geschah etwas Außergewöhnliches: Mit PSY und dem Hit „Gangnam Style“ eroberte erstmals ein koreanisches Musikvideo westliches Fernsehen, Radio und soziale Medien und erreichte eine Milliarde Aufrufe auf YouTube.

In der Rangliste

Sie sind wahre Pioniere, die den Weg für Phänomene wie BTS ebneten, die erste koreanische Gruppe, die sich dauerhaft an der Spitze der amerikanischen und britischen Charts hielt: Mit über 45 Millionen verkauften Alben seit ihrem Debüt sind sie heute die erfolgreichsten Künstler aller Zeiten in Südkorea. Ihr Einfluss ist unübersehbar, so sehr, dass sie bereits dreimal eingeladen wurden, vor der UNO über Mobbing, Selbstwertgefühl, psychische Gesundheit und Verantwortung für die Zukunft zu sprechen. Und dann ist da noch Blackpink, Botschafterinnen von Luxusmarken wie Chanel, Dior, Saint Laurent und Celine, die als erste koreanische Gruppe das Coachella-Festival headlinete und mit fast 250 Millionen Zuschauern alle Live-Zuschauerrekorde brach. Und schließlich gibt es ihre Nachfolger, wie die jüngeren Stray Kids und Ive, die sich über TikTok und Instagram direkt an die Generation Z wenden und über ihre Probleme sprechen – von Selbstakzeptanz bis hin zur Suche nach dem eigenen Platz in der Welt.

Die Anhänger

Dank der Macht der sozialen Medien kann jeder eine riesige Fangemeinde aufbauen, mächtige Fan-Communities (wie die „Army“ von BTS oder die „Blink“ von Blackpink), die Kundgebungen, Events, Flashmobs und Online-Kampagnen für Millionen organisieren. Diese begeisterten Anhänger sind sich vielleicht nicht bewusst, dass die Stars, die weltweit Stadien füllen, oft jahrelang als „Trainees“ trainiert haben: Von Agenturen im Alter zwischen 10 und 16 Jahren ausgewählt, verbrachten sie ihre gesamte Jugend mit Kursen in Gesang, Tanz, Fremdsprachen und Bühnenpräsenz. Die Schattenseiten dieser gigantischen Maschinerie, die in einer Zeit, in der die Welt in sich zusammenzufallen scheint, ihren disruptiven Effekt nicht aufhebt: den einer Musik, die über 90 Kilometer von hier entfernt entstanden ist und Millionen junger Menschen ermöglicht hat, neue Welten zu entdecken und über ihren eigenen Horizont hinauszublicken.

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